Elisabeth Bockhorn
Volkskunde und Schule
Eine fach- und problemgeschichtliche Skizze
Den Zielsetzungen des Bandes entsprechend war in dieser Skizzevornehmlich die Situation in Österreich abzuhandeln. Auf die Einarbei-tung allgemeiner und außerösterreichischer Beiträge zu ,, Volkskunde undSchule"( für das benachbarte Bayern vgl. etwa Roth 1987, für die Zeitbis 1945 in Deutschland Autenrieth 1990) ist daher, mit einer Ausnahme,weitgehend verzichtet worden, desgleichen auf die eingehende Erörterungder Frage, was wer wie schulisch vermitteln sollte. Zumindest das ,, Was"ist den übrigen Aufsätzen zu entnehmen. Aus diesem Grund wurden auchdie auf einem überholten Verständnis von Volkskunde aufbauenden„, An-leitungen“ von Schulpraktikern( z. B. Egger o. J.) nicht berücksichtigt.Konkrete Überlegungen, Volkskunde in den Unterrichtsowohl anVolks- als auch an Haupt- und höheren Schulen- zu integrieren, reichenin Österreich bereits ins 19. Jahrhundert zurück, woraus man durchausschließen kann, daß der Wert volkskundlicher Inhalte für die Schulbildungals hoch erachtet wurde.
Ausgangsbasis war die Gleichsetzung von„ Heimat“ und„ ländlich“ bzw.,, dörflich", was es einerseits notwendig erscheinen ließ, städtischer Jugenddiese für sie unbekannte„ heile" Welt, den bäuerlichen„ Mutterboden derKulturnation" näherzubringen, was aber andererseits die Schwierigkeitmit sich brachte,„ Heimatkunde“ im städtischen Bereich für Schüler¹aufzubereiten( Habernal 1893). Volkskunde schien besonders gut imRahmen des Heimatkundeunterrichtes aufgehoben zu sein, welchen M.Habernal( Lehrer an der k. k. Lehrer= Bildungsanstalt in Wien) wiederumals beste Grundlage für spätere, auf die Grundschule folgende, geogra-phische Bildung ansah. Jedoch ortete er in Österreichs Grund- schuleneinen großen Mangel an derlei Lehrstoffinhalten( Habernal 1893, 12f.).Wesentlich erscheint in diesem Zusammenhang der Schwerpunkt des von
¹ Im folgenden sind derlei Substantiva als geschlechtsneutral zu betrachten.
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