Gertraud Liesenfeld
Zwischendrin. Heimatpflege im Spannungsfeldvon Volkskunde und Volkskultur
Die Forderung nach einer reflektierenden Auseinandersetzung mit dereigenen Fachgeschichte hat sich im letzten Jahrzehnt des zwanzigstenJahrhunderts auch in Österreich in einer Vielzahl von Publikationen nie-dergeschlagen( Bockhorn 1987, 1988, 1989, 1992; Bockhorn/ Eberhart1995/96; Eberhart 1983, 1984, 1991, 1994; Jacobeit 1994), die klarereSichtweisen der Volkskunde( Lehmann/ Kuntz 1988) in ihren fachinter-nen Bezügen und gesellschaftspolitischen Wirkungszusammenhängenerbringen sollten. Vielfach wurde die Beschäftigung mit der Geschichteder Disziplin am Beispiel ihrer etablierten Wissenschaftsinstitutionenund den dort wirkenden Personen abgehandelt. Erst in jüngerer Zeiterfolgte auch eine Hinwendung zu Strömungen bzw. Bewegungen, indenen Volkskundler ebenso ihr Betätigungsfeld suchten: Eine solchewar beispielsweise die ursprünglich als Reformbewegung angetreteneHeimatschutzbewegung, die um 1900 von Deutschland auf Österreichübergriff, sich 1912 ihren institutionellen Rahmen gab und in derenKielwasser auch die Heimatpflege mitschwamm( Johler u. a. 1995). Jegeringer letztendlich der Wirkungsradius ersterer im Vergleich zu ihremProgramm blieb( Nikitsch 1995, 25), desto beständiger hat sich jener derHeimatpflege- bzw. späteren, begrifflich unscharfen Diktionen folgend( Brückner 1995/96, 35), der angewandten Volkskunde oder der volkskund-lichen Praxis- bis in die Gegenwart erwiesen, wenn auch mit an das Heutemöglichst angepaẞt gedachten Inhalten und dementsprechend geändertenBezeichnungen ihrer Institutionen.
Ein anderer Strang zur Heimatpflege führte über die Geschichtsvereine,die aus dem Umfeld der zum Teil bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahr-hunderts begründeten Altertumsvereine hervorgegangen sind. Zumeist mitdem Ziel der Erforschung der Landes- und Regionalgeschichte, der Grün-dung von Museen, der Herausgabe von Urkundenbüchern, Zeitschriftenund sonstiger einschlägiger Literatur etabliert, gerieten sie gegen Endedes Jahrhunderts in den Sog der Heimatschutzbewegung und trugen alsmehr oder weniger aktive Mitgliedsvereine mit ihrem Instrumentarium
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