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Volkskunde in Österreich : Bausteine zu Geschichte, Methoden und Themenfeldern einer Ethnologia Austriaca
Entstehung
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Vom Dorf zur Stadt

10. Helmut Fielhauer und die Großstadt

Zur fachlichen Neuorientierung im Laufe der siebziger Jahre trug imhohen Maße der am Wiener Institut tätige Helmut Fielhauer bei. Übersein Engagement im Bereich der Arbeiterkulturforschung trug er auchwesentlich zu einer neuen strukturgeschichtlichen Stadtkulturforschungbei. Den ersten Zugang zur wissenschaftlichen Beschäftigung mit Stadt-kultur fand Helmut Fielhauer im Rahmen seiner Tätigkeit als Leiter desBezirksmuseums in Währing, einem bürgerlich dominierten Bezirk imWesten Wiens. Hier befaßte sich der gelernte Bauernvolkskundler, wiesich Fielhauer oft selbstironisch bezeichnete, von 1965 an mit Fragen derStadtkulturforschung, oder wie er es ausdrückte, mit Heimatforschung".Währing als seine engere Heimat bot ihm die Möglichkeit, aus der genauenKenntnis der Stadtteilstruktur heraus kulturwissenschaftliche Fragestellun-gen zu entwickeln. Nicht das mehr oder weniger willkürliche Ansammelnvon Objekten war für ihn das Ziel, sondern er wollte anhand theoretischfundierter Fragestellungen Aspekte der Stadtentwicklung und Stadtkulturerschließen. Er selbst drückte es folgendermaßen aus: Für mich als Wienerist es ferner eine Herausforderung, endlich einen kulturellen Zugang zurGroßstadt zu finden. Über einen neuen materialistischen Ansatz zur Kulturin der Produktion- etwa im Nahrungsbereich von der alten Hirtenkulturbis zum modernen Molkereiarbeiter- scheint dies durchaus möglich zusein"( Fielhauer 1984, 75). 1972 veröffentlichte Fielhauer einen Aufsatzmit dem Titel Vom Halterhaus zur Molkerei( Fielhauer 1972), in dem erauf lokalhistorische Aspekte der Milchproduktion in Wien einging. Rundzehn Jahre später widmete er sich wiederum dem Thema großstädtischerNahrungskultur, sowohl im Rahmen eines Seminars mit dem Titel DerBauch von Wien( WS 1981/82) als auch in Form eines Referates amVolkskundekongreß 1983 in Berlin( Fielhauer/ Hörandner 1985, 279ff.).In diesem Referat unternahm Fielhauer gemeinsam mit Edith Hörandnerden Versuch, die engen Grenzen der volkskundlichen Nahrungsforschungaufzubrechen:,' Sich ernähren in der Großstadt' wurde aber letztlich füruns vor allem zum Problem, weil die alte Volkskunde bekanntlich ihreideologischen Ängste vor dem Häusermeer' hatte; andererseits solltenicht dieser Gefahr waren wir uns bewußt- eine eigene' Großstadt-Nahrungsvolkskunde' angegangen werden; Stadt und Land wollen inihrer notwendigen Wechselbeziehung gesehen werden. Denn zumindestseit Max Weber ist die Stadt vor allem durch den verbindenden Markt be-stimmt, worüber sich freilich an anderem Ort streiten ließe( zumindest imKapitalismus auch von den jeweils fortschrittlichsten Produktionsweisenund-verhältnissen)"( Fielhauer/ Hörandner 1985, 279). Diese Annäherung

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