,, Theoriendynamik" in der österreichischen Volkskunde
nach dem zweiten Weltkrieg zu zählen ist. Es verwundert daher nicht,daß es durch lange Jahre hindurch theoretisches Gerüst für die GrazerVolkskunde blieb"( Eberhart 1994f, 584) und dem hohen Ansehen Korensals späterem Geramb- Nachfolger entsprechend, vermutlich auch einge-hend rezipiert wurde. Die„, besinnlichen Betrachtungen”( Kriss 1956, 69)Korens zeigen vor allem im Großkapitel„ Aufbau des Volkslebens" dieIntention dieses führenden Fachvertreters, mithilfe der Chiffre ,, Volksle-ben" eine ständische Gesellschaft mit streng patriarchalem Charakter aufdem Grundmuster der von Riehl entworfenen bäuerlichen Sittenordnungals das Maß aller Dinge und Zeiten vorzustellen. Vom„ ganzen Haus"ausgehend über den alles lenkenden, allein bestimmenden Bauern, dermit seinen Söhnen das Gesellschaftsleben prägt, während die Frau ihrenWirkungskreis auf die engere Hauswirtschaft beschränkt, über die„ brü-derliche" Nachbarschaft, die eine Kette gegenseitiger Hilfen bildet undauf der sich das harmonische Dorfleben aufbaut, bis zu den„ natürlichen”Gemeinschaften in der Stadt, die vor allem in den Handwerkszünftenbeobachtbar gewesen seien, all dies wird so geschildert, als könne derRiehl'sche Idealtypus harmonischen Volkslebens der vorindustriellen Zeitin die Gegenwart übertragen werden.
Zwar stellte Koren klar, daß es sich beim beschriebenen sozialen Aufbaudes Volkslebens um eine Erscheinung der Vergangenheit handle, der dasJahr 1848,, wenigstens äußerlich einen Schlußstrich" versetzt habe( Koren1952, 51). Aber er machte auch evident, daß für ihn damit mehr als einenur vergangene Lebensform gemeint ist. Denn die dargestellten Gemein-schaften wären ihrer inneren Gesetzlichkeit nach„ natürlich, ja nachgeradebiogenetisch begründet” und„ die Anlage zu dieser Gemeinschaftsformist in den Menschen hineingesenkt”( Koren 1952, 49). Ein„ wirkliches"und gesundes Volksleben" war für Koren daher nur dann gegeben, wennes dem beschriebenen„ organischen Aufbau" folgte( Koren 1951, 786).Die aus dieser Erkenntnis gezogene Konsequenz für das Fach Volkskundeklang einfach: Als Wissenschaft erhielt sie die Aufgabe zugeteilt, jeglichegeistige und materielle Äußerung des Volkslebens zu erheben und darausdie lebenserhaltenden„, Grundgesetze" abzulesen, um dann in einem wei-teren Schritt ,, Bedürfnisse, Möglichkeiten, Schadensstellen" aufzuzeigen.Diesem diagnostischen Schritt habe dann die Therapie zu folgen, die inForm der„, Volks- Bildung" und„, Volkstums- Pflege" die Krankheitserschei-nungen kurieren sollte( Koren 1949, 185f.).
In einem früheren Aufsatz, in dem sich Koren ebenfalls mit dem Aufbaudes Volkslebens befaßt hatte, bezeichnete er dieses Modell als„, Rückfall"
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