Ingo Schneider
Arbeit, so liegt ihr wieder die ganze Hausbesorgung auf dem Hals, indessender Mann ausruhen kann“( Hacquet 1790-1796, Zweyter Teil, 180f.).Das 1801 erschienene letzte Werk Hacquets, seine Abbildung undBeschreibung der südwestlichen und östlichen Wenden, Illyrer und Slawen[...] gilt schließlich ausschließlich der Volkskunde. Hacquet ging systema-tisch vor und behandelte bei jeder Volksgruppe der Reihe nach Wohnweise,körperliche Beschaffenheit, Charakter, Sitten und Bräuche, Arbeitsweise,besonders ausführlich die Tracht und meist auch die Nahrung, ferner Tänze,Musikinstrumente und Lieder( Hacquet 1802-1805).
Die Schriften Hacquets sind nicht das Produkt kurzer Bildungsreisen. Sieentstanden auf der Basis längerer, man könnte sagen, Forschungsreisen und-aufenthalte und eingehender Literaturstudien. Auch wenn über HacquetsErhebungsmethode nichts bekannt ist und er sich wohl auch manchen Bä-ren aufbinden ließ, wie die Beispiele der Superfötation und der schwarzenKinder zeigen, kann Hacquet als Vorläufer volkskundlicher Feldforschungbezeichnet werden. Sein Ansatz- von einem naturhistorischen Interesse
ausgehend zur Erforschung des Volkslebens fand im ausgehenden 18.Jahrhundert vor allem in der Person des Freiherrn von Moll und dessenFreundeskreis eine Entsprechung und Weiterführung.
Karl Ehrenbert Freiherr von Moll( 1760-1838), Sohn eines Beamtenim Dienste des Salzburger Erzbischofs, in Thalgau und Zell am Zilleraufgewachsen, war ein vielseitig interessierter und begabter Mensch undtypischer Vertreter der österreichischen Aufklärung. In jungen Jahrenmachte er die Bekanntschaft Hacquets und unternahm mit ihm ausgedehnteWanderungen, als deren Ergebnis die Reise durch die Norischen Alpen,Physikalischen und anderen Inhalts unternommen in den Jahren 1784 bis1786( Hacquet 1791) mit zahlreichen volkskundlichen Beobachtungenerschien. Bereits 1785 hatte Moll gemeinsam mit dem NaturforscherFranz von Paula Schrank, die Naturhistorischen Briefe über Oesterreich,Salzburg, Passau und Berchtesgaden veröffentlicht und darin mit einerausführlichen Darstellung der Almwirtschaft und des Almlebens im Zil-lertal einen wichtigen Beitrag zur frühen österreichischen Volkskundegeleistet( Schrank/ Moll 1785). Moll ließ hier eine empfindsame Begei-sterung für das natürliche, unverdorbene Landleben und damit eine gei-stige Verwandschaft zu Erzherzog Johann anklingen, die auf den EinflußRousseaus und der frühen Romantik verweisen. So schrieb er z. B. in denNaturhistorischen Briefen über Österreich,[...]:
„ Ich fand es wenigstens für meinen Geist sehr nahrhaft, auf ähnlichen Reisennicht nur die Natur in den Tieren, Pflanzen und Mineralien- sondern auch
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