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Volkskunde in Österreich : Bausteine zu Geschichte, Methoden und Themenfeldern einer Ethnologia Austriaca
Entstehung
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Ingo Schneider

Erste Ansätze

Zur Frühgeschichte der österreichischen Volkskundevom 15. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts

Die Herausbildung der Volkskunde in Österreich kann nur vor dem Hin-tergrund der allgemeinen Disziplinengeschichte der KulturwissenschaftVolkskunde/ Europäische Ethnologie dargestellt werden, auch wenn odergerade weil die österreichisch- ungarische Monarchie unserem Fachbesondere Entstehungsbedingungen bot. Die folgenden Ausführungenbeabsichtigen, ein Bild vom Entwicklungsgang volkskundlicher Beobach-tungen bzw. Forschungen in Österreich bis zur Mitte des 19. Jahrhundertszu geben. Im Rahmen eines Übersichtsartikels kann dieses Bild nichtin jeder Beziehung voll durchgezeichnet werden. Es soll aber dennochanschaulich sein. Die den einzelnen Entwicklungsphasen zugrundeliegenden ideengeschicht- lichen Hintergründe werden deshalb immeranhand ausgewählter Beispiele vorgestellt. Die Beschränkung eröffnet dieChance breiterer Darstellung und größerer Farbigkeit, und dies scheintmir wichtiger als eine möglichst umfassende Auflistung aller in Fragekommenden Daten, Namen und Fakten. Eine solche steht in LeopoldsSchmidts Geschichte der österreichischen Volkskunde ohnehin bereits zurVerfügung( L. Schmidt 1951).

Da wohl keine Wissenschaft voraussetzungslos an einem Nullpunkteinsetzt, ist es notwendig, nach den geistesgeschichtlichen Grundlagenzu fragen, auf denen volkskundliches Denken und Arbeiten beruht, unddie zur Entstehung einer Fachtradition führten. Die wesentlichen Wei-chenstellungen dafür erfolgten im ausgehenden 18. und beginnenden 19.Jahrhundert, als eingebettet in die führenden Geistesströmungen derZeit, Aufklärung und Romantik ein wachsendes Interesse an ,, Volks-kultur spürbar wurde. Seitdem gibt es eine kontinuierliche Entwicklunghin zur Ausbildung einer wissenschaftlichen Disziplin Volkskunde, eineEntwicklung, die freilich noch nicht innerhalb eines klar definierten undeinheitlichen Rahmens verlief, sondern in verschiedene, gerade im Ent-stehen begriffene Wissenschaftstraditionen eingebunden war.

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