Druckschrift 
Die Weihnachtsbräuche der Serbokroaten
Entstehung
Seite
218
Einzelbild herunterladen
 

218

Schlußwort.

§. 82. Die Weihnachtsbräuche der Serbokroaten übertreffen an Reich-haltigkeit und Altertümlichkeit die entsprechenden Bräuche der übrigeneuropäischen Völker, was in der Jahrhunderte währenden Abgeschlossenheitwährend der Türkenzeit, in dem gebirgigen Charakter der Wohnsitze und indem konservativen Sinn der in straffer Familienorganisation lebenden Be-völkerung begründet ist. Den Grundstock der Bräuche bilden antikeKalendenbräuche, die schon von Dacien aus in die slawische Urheimateingedrungen sind und sich dort an Mittwinterbräuche angeschlossen habendie Abhängigkeit der römischen Kalenden, der ältesten griechischen Festeund der germanischen Opferzeiten von den Mondphasen und die vergleichs-weise Betrachtung der heutigen Volksbräuche lassen auch bei den heidnischen Glossar ::: zum Glossareintrag  heidnischenSlawen Mondfeste mit Fruchtbarkeitsriten und Totengedenken vermuten.Nach der Einwanderung auf die Balkanhalbinsel waren die Südslawen weiterenstarken Beeinflussungen von Byzanz und Rom her ausgesetzt. Das christlicheWeihnachtsfest als mittelalterlicher Jahresbeginn hat viele alte Kalenden-bräuche an sich gezogen und die Enstehung einer neuen Schichte vonNeujahrsbräuchen veranlaßt. Die meisten Bräuche schwanken heute innerhalbder zwölftägigen Neujahrsfestzeit vom 25. Dez. bis 6. Jänn. landschaftlich hinund her, manche sind auch auf gewisse Tage in der Adventzeit abgewandert.Charakteristisch für die volksmäßige W.- Feier der Serbokroaten sind diewohlerhaltenen Bräuche mit dem vermutlich in einer antiken Kalendensittewurzelnden Badnjak, der heute als Symbol des neuen Jahres mit seinemanimalischen und vegetativen Segen eingebracht und ans Feuer gelegt wird,charakteristisch ist ferner das auf die altarische Feststreu zurückgehendeW.- Stroh und das ausgebildete Zeremoniell mit dem ersten Besucher. DieZahl der Zauber- und Orakelformen ist enorm. Auffällig sind die vielenUebereinstimmungen mit den Bräuchen des Georgstags( Feuer, Wasser,Zweige, Opfertier, Verehrung der Himmelskörper, Zauber- und Orakelwesen),der auch einen wichtigen Zeiteinschnitt bildet( Frühlingsbeginn) und ebenfallsstarke Beeinflussungen von seiten der Antike( Palilien) aufweist.