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Das Fortleben der Kalendenbräuche in den Balkanländern im Mittel-alter bestätigt Balsamon in seinem Kommentar des erwähnten Kanons[ Hoffmann- Kreyer, 1. c. 199: von Wichtigkeit ist die Bemerkung, daß die Bauerndes 12. Jh. diese Bräuche deshalb üben, quod luna tunc temporisrenovetur, et ejus fundamentum ab hujus mensis principia statuatur, etquod existiment se laete ac jucunde totum annum transacturos, si in ejusprincipio festum celebraverint...]
Ueberblicken wir diese schlagwortartige Liste der Kalendenbräucheund stellen sie den heutigen W. Bräuchen gegenüber, so ergeben sichschlagende Analogien; fast jeder alte Brauch findet in einem modernenseine Entsprechung,
Bevor wir genauer auf diese Gegenüberstellung eingehen, müssen wirauf eine Tatsache hinweisen, welche diese Festbrauchverschiebung vomrömischen Neujahrstag auf den Christtag verständlich macht.
Annus a Nativitate.
§ 59. Bereits im frühen Mittelalter machte die Kirche den 25. Dezemberals den Tag der Geburt Christi zum Beginn des Kirchenjahres.„ Schon dieältesten römischen Sakramentarien( Sammlungen von Gebeten für dencelebrierenden Priester für alle Festtage des Jahres) aus dem Ende des5. Jahrh. beginnen mit der vigilia Nativitatis. Das sacramentarium Leoninum( aus der Zeit Felix III. † 492) ist am Anfang und Ende verstümmelt underlaubt keinen sicheren Schluß. Das sacramentarium Gelasianum aber,bearbeitet von Gelasius I.( † 496), beginnt mit der vigilia Nativitatis,ad nonam; und ebenso das sacramentarium Gregorianum, das Gregordem Großen( 590-604) zugeschrieben wird... Selbst in der byzan-tinischen Kirche wurde diese Konsequenz gezogen. Ueberall in derbyzantinischen Literatur, wo eine Aufzählung der Feste vorkommt, wird dieReihe mit dem Christfest eröffnet. So in dem Ceremonienbuch des ConstantinusPorphyrogenitus, wie in dem Buch des Codinus Curopalates de officialibus."Derselbe Anfang des Kirchenjahrs war auch in der gallikanischen und angel-sächsischen Kirche üblich, Als bürgerlicher Jahresanfang wurde er in denverschiedenen Ländern zu verschiedenen Zeiten populär.„ Er herrschte inFrankreich unter den Karolingern und auch nachher noch in der Provenceund Dauphinée, in einem Teil der Niederlande, in der Schweiz und demgrößeren Teil von Italien, In Deutschland war dieser Gebrauch weitaus dervorherrschende; die kaiserliche Kanzlei bediente sich desselben fast aus-schließlich. Auch in Spanien und Portugal kam er zur Geltung; er herrschtelange Zeit in Böhmen und Polen. Wir haben gesehen( S. 88: alstlov. kolęda,, Neujahrstag 25. Dez."), daß die altslawische Kirche den 25. Dez. als Neu-jahrstag bezeichnete. Auch Ungarn und Cypern werden unter den Länderngenannt, die ihre Jahre von W. an rechneten. Ganz besonders finden wirdiesen Jahresanfang im Norden. Die Angelsachsen hatten ihn bis zur nor-männischen Eroberung und einzelne Chronisten behielten ihn auch nachhernoch bei. Dänemark, Schweden und Norwegen befolgten denselben Gebrauch.Man sieht: Das Weihnachtsjahr erstreckte sich über den größten Teil vonEuropa, und was die zeitliche Begrenzung betrifft, so fällt der Anfang seinerGeltung etwa mit der Zeit zusammen, wo die dionysische Aera im bürger-lichen Gebrauch aufzukommen anfing, d. h. mit der Zeit der Karolinger. SeinEnde erreichte es großenteils erst mit der Einführung des gregorianischenKalenders oder kurz vorher im 16. oder 17. Jahrhundert. In diesem ganzenlangen Zeitraum war ein großer Teil der europäischen Bevölkerung gewöhnt,
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