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Hochgebirgsvolk in Savoyen und Graubünden : ein Beitrag zur romanischen Volkskunde
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bunden war. Es ist die schön geschnitzte, 15 bis 20 cm lange Rocken-nadel aus Horn( glua del roccada), die man zur Zierde hinter dasSeidenband zu stecken pflegte, welches den gehechelten und um denSpinnrocken gewickelten Flachs zusammenhielt.( Taf. XXVII, Fig. 1-5.)

Die glua del roccada", die zumeist aus dem 18. und 19. Jahrhundert stammen,zeigen wenig Abwechslung in der Auswahl der Ziermotive. Mit Vorliebe wurde das ver-schiedenartig kombinierte Sternmotiv verwendet und nur selten tritt an seine Stelle einPflanzen ornament.( Taf. XXVII, Fig. 1.) Oben sind gewöhnlich die Initialen der be-treffenden Spinnerin eingebrannt oder ausgeschnitten.

Diese Rockennadeln, auf deren Besitz die Mädchen früher einengroßen Wert legten und die sie wie ein kostbares Gut aufbewahrten,sind heute, wie die Spinnrocken, im Verschwinden begriffen. Dasgleiche Schicksal trifft auch eine andere Art von Rockennadeln, diebedeutend kleiner als die oben geschilderten sind und die, am Endedes Rockenbandes befestigt, zum Feststecken desselben dienten. Diesekleinen Rockennadeln, in der Regel aus Bein, sind nur selten inDurchbruchschnitzwerk gearbeitet( Taf XXVII, Fig. 7), sondern laufengewöhnlich oben in eine oder zwei Vogelgestalten( meist Hühner)aus.( Taf. XXVII, Fig. 6.) Ganz ähnlich verzierte, augenscheinlichrecht altertümliche Rockennadeln aus Horn oder aus Elfenbein findetman auch außerhalb der Alpenländer, so zum Beispiel in Rußland. 4)

Rodelschlitten mit Beinkufen.

Zum Schluß sei hier ein Gegenstand angeführt, der wegen seinerEigenart und seines heute nur seltenen Vorkommens etwas ausführ-licher besprochen werden soll. Es ist der altertümliche kleine Rodel-schlitten mit Kufen aus Pferde-, beziehungsweiseOchsenschienbeinen( tibia e), der seinerzeit auch Objekt dervolkskünstlerischen Betätigung war.( Taf. XXVIII.)

Ein solcher Schlitten besteht aus einem meist schön geschnitzten Sitz, in dessenvorderen und hinteren Rand zwei Holzstücke eingefügt sind. Diese wieder sind mitden Beinkufen in der Weise verbunden, daß je zwei durchgehende Holzstifte in die anden Enden der Knochen ausgestanzten Löcher eingeführt sind. Der Sitz ist in der Mitteetwas ausgehöhlt und durch ein an diese kleine Vertiefung angepaßtes Kerbschnittmotiv,wie Stern, Rosette etc., verziert. Ebenso sind die Ränder des Sitzbrettes mit fortlaufendenWellen- oder Zahnmotiven, hie und da auch mit einem kleinen Blumenmotiv in Schnitz-arbeit ausgeschmückt. Auf der Unterseite des Sitzes befinden sich zwei Eingriffe, an denenman sich während der Fahrt festklammern kann.

Die meisten dieser Schlitten stammen, nach den Jahreszahlen zu urteilen, die nebstden Initialen des Besitzers auf dem Sitz eingeschnitten sind, aus der ersten Hälfte des18. Jahrhundertes. Im Münstertal( Gemeinden St. Maria und Cierfs) fand ich zwei, imUnterengadin( Gemeinde Sent) einen derartigen Schlitten vor.

Wie die auf Tafel XXVIII abgebildeten Exemplare zeigen, unterscheiden sich dieMünstertaler von den Engadiner Rodelschlitten nur durch ihre längliche Form und etwaseinfachere, weniger künstlerische Ausführung.( Taf. XXVIII, Fig. 1 u. 2.) Die Herstellungs-art jedoch sowie auch die Ausziermotive sind hier wie dort] so ziemlich die gleichenNur ausnahmsweise haben derarfige Schlitten eine Rückenlehne, welche durch die Erhöhungder hinteren Schlittenwand gebildet wird.( Taf. XXVIII, Fig. 2.)

1) Peasant Art in Russia, The Studio 1912, Fig. 228 bis 235.