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Brauch geherrscht und nur im Laufe der Zeit seine gegenwärtige Form angenommenhaben? Darüber konnte an Ort und Stelle nichts ermittelt werden.
Ebenso verbreitet wie der Brauch des Spannens ist auch der einer, Steuer",Mattinada", die ein zum zweitenmal heiratender Witwer den Burschen be-zahlen muß. Es ist dies sozusagen eine Entschädigung dafür, daß ein Mädchen den jungenLeuten entzogen wird. Weigert sich der Witwer, die Steuer" zu entrichten, so ver-anstaltet man eine regelrechte Katzenmusik, die sich so oft wiederholt, bis die Zahlunggeleistet wird.
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Noch bei einem anderen Anlaß pflegt die Münstertaler Jugend ähnliche musikalischeLeistungen vorzubringen. Ist nämlich im Dorf bekanntgeworden, daß zwei Weiber Glossar ::: zum Glossareintrag Weiber, die ineinem Haus wohnen, einander in die Haare geraten sind, so üben die jungen Leute eineeigenartige Justiz aus, indem sie eine„ mazzola"( Katzenmusik) veranstalten. Noch amselben Abend werden vor das Haus der betreffenden Frauen Getreidemühlen, Kasserollen,Sensendengel, Ratschen, Kuhglocken und dergleichen mehr geschleppt und es wird damitein ohrenbetäubendes Konzert, begleitet von Pfeifen, Johlen, Peitschenknallen, zuweilenstundenlang aufgeführt. Die zänkischen Weiber Glossar ::: zum Glossareintrag Weiber werden durch dieses Strafverfahren derMünstertaler Jugend wohl für eine Zeitlang von ihrer Streitsucht geheilt.
Die Münstertaler Sitten und Bräuche, zu welchen man die auf-fallenden Parallelen aus dem Tiroler Volksleben findet ¹) und diemit wenigen Ausnahmen( Ziegenmelken, Spannen bei Verlobung,Mazzola) mit den Bräuchen des Ober- und Unterengadin so ziemlichübereinstimmen, kommen hauptsächlich im oberen und im mittlerenMünstertal vor. Im unteren Münstertal( Münster und Taufers), dassich in Bezug auf materielle Kultur vom übrigen Tal wenig unter-scheidet, werden die meisten der geschilderten Bräuche nicht gepflogen.Da Münster und Taufers katholisch, alle übrigen Münstertaler Gemeindenhingegen protestantisch sind, haben möglicherweise die konfessionellenUnterschiede den Charakter der Bräuche beeinflußt.
VI. Die Volkskunst.
Obwohl viele der schönsten Erzeugnisse einheimischer Volks-kunst dem Münstertale von den Antiquitätenhändlern bereits entrissenworden sind, hat dieses Tal dennoch so manches aus seiner gutenalten Zeit bis heute bewahrt. Das verdankt man nicht allein demFesthalten der Münstertaler an dem Althergebrachten, sondern auchdem Umstand, daß die alte Kultur tief in das Bewußtsein diesesGebirgsvolkes eingedrungen ist.
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Zur Entwicklung und Ausbreitung der Münstertaler Volkskunsttrug viel der Wohlstand bei, der nach Jahrhunderte währenden feind-lichen Einfällen, etwa anfangs des 17. Jahrhundertes, hier begründetwerden konnte. Die aus dieser Zeit stammenden, heute zum Teilausgestorbenen Geschlechter, wie Capol, Salis, Orsi, Caratschhier nur einige anzuführen haben als Förderer dieser alten Kulturbedeutende Spuren ihres Wirkens im Münstertal hinterlassen. Einigeder schönsten Häuser in St. Maria und Münster zeugen von der früherenHerrlichkeit und so manches Werk des alten Kunstgewerbes trägt nochdie Wappen dieser einstmals führenden Münstertaler Geschlechter.1) Vergl. L. v. Hörmann, Tiroler Volksleben.