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Hochgebirgsvolk in Savoyen und Graubünden : ein Beitrag zur romanischen Volkskunde
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wurde. Die alten bettartigen» kotschi«, deren Länge durch einenverschiebbaren Vorderteil nach Belieben reguliert werden kann, sindmit Ausnahme der dem Ofen zugekehrten Fläche auf allen Seiten inEinlegearbeit oder in Flachschnitt reich verziert. Die hier vorwaltendenOrnamente sind vorwiegend der Pflanzenwelt entnommen und hieund da mit figuralen Zutaten versehen.

Zwei derartige typische Ofenbänke bringt Tafel XXIV. Die eine derselben, welchesich in Cierfs befindet, ist mit hellem Holz kunstvoll eingelegt. Als Ziermotive dienenstilisierte Tulpenranken sowie auch Blumenvasen mit daraus entspringenden dreiteiligenPflanzen. Auf der Rücklehne ist unten die Jahreszahl 1736 und darüber das Hauswappender Familie Groß angebracht.( Taf. XXIV, Fig. 5.)

Die andere von den eben erwähnten Ofenbanken, die aus St. Maria stammt, istmit der Jahreszahl 1783 versehen und ganz in Flachschnitt ausgeführt, wobei als Motivehier wie auf den vorhin besprochenen Truhen und Kasten die um ein Pflanzen ornamentsymmetrisch angeordneten Tiere verwendet wurden.( Taf. XXIV, Fig. 6.)

Ob die geschilderten Ofenbänke, die heute im Münstertal nurmehr vereinzelt zu finden sind, früher auch im benachbarten Ober-vintschgau verbreitet waren, ist nicht bekannt. Sollte dies der Fallgewesen sein, so ist selbst die letzte Spur davon aus dem Obervintsch-gauer Haus verschwunden. Im Engadin hingegen hat sich die Ofenbank,wie ich mich davon selbst überzeugen konnte, noch bis heute erhalten,allerdings nur mehr in wenigen Häusern. Sie heißt hier gleichfalls» kotsche« und sieht der Münstertaler in Bezug auf Form und Aus-schmückung ganz ähnlich.¹)

Stickereien.

In jedem Münstertaler Haus pflegte man früher über der Ofen-bank Zier handtücher( biber) aus Leinen aufzuhängen, ein Brauch,von dem man heute gänzlich abgekommen ist. Tafel XXVI, Figur 1. und 2,zeigt zwei derartige charakteristische, in Kreuzstich rot gestickte Hand-tücher aus St. Maria und aus Cierfs, auf denen jene Motive, die wirbei der Schilderung der Münstertaler Möbel bereits kennen gelernthaben( Blumenvase, paarige Tiere), in verschiedenen Variationen wieder-kehren. Zu erwähnen wäre noch das Wellenbandornament mit vasen-artiger Füllung in den Halbkreisen auf dem mit der Jahreszahl 1783versehenen Zierhandtuch aus Cierfs( Taf. XXVI, Fig. 2), ein Motiv,das man auf den slowakischen, ruthenischen, südrussischen Textil-arbeiten gleichfalls findet. 2)( Taf. XXVI, Fig. 2.)

Außer den Zierhandtüchern sind es vor allem die in weißemFilet gearbeiteten Besatzstreifen an Paradeleintüchern,beziehungsweise Wochenbettvorhängen, die ein beredtes Zeugnis vondem Fleiß der alten Münstertalerinnen ablegen.

Diese Stickereien weisen gleichfalls viele Beziehungen zu denvolkstümlichen Textilien anderer europäischer Länder auf. Immer

1) Das Museum für Volkskunde in Wien besitzt zwei derartige typische Ofenbänkeaus dem Engadin.2) M. Haberlandt: Österreichische Volkskunst, Wien 1911, S. 40.