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die im Alpengebiet weitverbreitete Gebräuchegruppe, die mit dem Glauben an Vegetations-dämone und mit dem Sonnenzauber zusammenhängen." 1)
Gleichfalls ein Jugendfest, allerdings für die reifere Jugend, findet am Johannis-tag( St. Jon) statt.
Die ganze Ziegenmilch, die an diesem Tage gemolken wird, gehört in allenMünstertaler Gemeinden der Jugend. Auf einer großen Wiese etwas oberhalb desDorfes werden sämtliche zur Gemeinde gehörigen Ziegen zusammengetrieben, woraufjunge Mädchen und Burschen um die Wette zu melken beginnen. Unter Gelächter undGesang wird die Arbeit schnell erledigt und dann beginnt die Versteigerung der Milchan die Anwesenden, unter denen mehrere aus den hochgelegenen Weilern zum Festehinabgestiegen sind. Mit dem Gelderlös wird noch am gleichen Abend oder auch nach-träglich in einem Gasthaus eine, Marenda"( Schmaus) mit anschließendem Tanz ver-anstaltet.
In solcher Weise vollzieht sich heute der Brauch des Ziegen melkens.Früher ging es jedoch viel gemütlicher zu. Die gemolkene Milch wurde nicht versteigert,sondern die Jugend behielt sie für sich, um daraus einen„ Rahmpult" zu machen, welchenman einige Tage darauf in einer Abendversammlung bei einem der Mädchen verspeiste.Die Haustochter bewirtete die Gäste mit Kaffee, die Burschen boten Likör und Süßigkeitenan und man tanzte und unterhielt sich bis tief in die Nacht hinein.
Man faßt die Sitte des Ziegenmelkens im Münstertal als eine gewisse Entschädigungauf, welche die Gemeinde den jungen Leuten dafür bietet, daß sie jeden Sonntag in derKirche singen.
Spannen" bei Verlobung. Mattinada. Mazzola.
Von den Sitten, die sich auf einige wichtige Ereignisse des menschlichen Lebens,wie Hochzeit und Begräbnis, beziehen, ist nicht viel zu sagen, denn, wie bereits erwähntwurde, sind die meisten dieser Bräuche heute verschwunden. Von dem Wenigen, dasgeblieben ist, sei hier nur ein Brauch angeführt, an dem die Jugend noch fest-hält, da er ihr viel Vergnügen macht, nämlich das„ Spannen"( la serra) bei derVerlobung. Ist die Verlobung öffentlich verkündet und erfährt man, daß das Braut-paar in den nächsten Tagen zum erstenmal gemeinsam ausfahren wird, dann beginntman in den Gemeinden, durch welche das Paar fahren soll, Vorbereitungen zum Ab-sperren des Weges zu treffen. Eine schöne Decke wird mit Bändern und künstlichenBlumen geschmückt und über eine lange Holzlatte gehängt, ein Gedicht ad hoc schnelleinstudiert und auch Wein sowie etliche Leckereien hergerichtet. Das bereiten gewöhnlicheinige Freundinnen der Braut vor.
An dem Tage, an dem die Verlobten kommen sollen, stellen sich die Mädchenschon zeitlich auf ihren Posten und dann heißt es, insbesondere in den Wintermonaten,ausharren, denn das Brautpaar läßt oft stundenlang auf sich warten. Bei jedem vorbei-fahrenden Wagen geraten alle in Aufregung, und je mehr Zeit verstreicht, desto größerwird jedesmal die Enttäuschung. Endlich hört man einige rufen:„ Sie kommen, sie kommen,nur rasch heraus!" und im Nu schnellt die ganze Gesellschaft aus einem Haustor oderSeitengäẞlein hervor und versperrt die Straße. Zwei Mädchen halten die Latte, ein oderzwei bewirten das Brautpaar und ein anderes sagt den Glückwunsch in Versen auf.( Taf. XXIII, Fig. 6.) Das Paar dankt für die ihnen erwiesene Freundlichkeit; das genügtjedoch den halberfrorenen Mädchen nicht. Der Bräutigam muß blechen und das tut erauch gerne, je nach seinen Mitteln. Mit dem erhaltenen Geld lassen sich's die Mädchengut gehen, indem sie eine„ marenda"( Essen) veranstalten.
Diesen Brauch des Spannens, der ja bereits in der vorhergehenden Arbeitbesprochen wurde, findet man noch in den meisten Bündner Tälern. Jedoch wirdin der Regel nur dem Ehepaar, wenn es am Hochzeitstag die Kirche verläßt, undnirgends dem Brautpaar der Weg versperrt. Sollte auch im Münstertal ehemals der gleiche
1) G. Brunies: Bilder aus dem schweizerischen Nationalpark. Basel 1919.
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