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Hochgebirgsvolk in Savoyen und Graubünden : ein Beitrag zur romanischen Volkskunde
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Babaniaspiele( 6., 7., 8. Jänner). Chalanda Mars( 1. März).

Ziegen melken am Johannistag( 24. Juni).

Zu den Wintervergnügungen der Jugend gehören im Münstertal wie auch im Engadinallerlei Orakelspiele, die man an dem Dreikönigstag Babania" anfängt und meistbis zum 8. Jänner fortsetzt.

So pflegt man zum Beispiel, wenn sich junge Leute zu Babaniaspielen bei Bekanntenversammeln, einem der Anwesenden, gewöhnlich einem Mädchen, die Augen zu verbinden.Dieses muß dann um den Tisch herumgehen und nach verschiedenen darauf umher-liegenden Gegenständen greifen. Berührt es nun das Salz, so wird ihr Zukünftiger einFurgonist sein, berührt es Asche, so bekommt es einen alten Mann, berührt es schließlichein Weinglas oder Geld, so wird ihr Gatte ein Trunkenbold, oder ein reicher Mannsein u. s. w.

Sehr viel trägt zur Unterhaltung das Orakelbuch der Babania, cûdesch da Babania"bei. In diesem sind Fragen und Antworten über die Zukunft unter Nummern eingetragen,auf die Würfel geworfen werden; die von Würfeln getroffenen Stellen werden dann zurallgemeinen Belustigung vorgelesen.

Auch das anderwärts vielfach übliche Bleigießen wird gepflogen, ebenso das Werfenvon Apfelschalen, um den Namen des Zukünftigen oder auch nur den Anfangsbuchstabenzu erfahren.

Wenn an diesen Tagen das Abendgeläute ertönt, sollen die Mädchen schnell aufdie Straße laufen, denn der Taufname des Ersten, dem man begegnet, wird auch der desBräutigams sein.

Mit Vorliebe werden an Babaniatagen Pantoffel geworfen. Man stellt sich zu diesemZwecke an eine Straßenkreuzung, löst den Pantoffel etwas vom Fuß und schleudert ihnmit ganzer Kraft in die Luft. In der Himmelsrichtung, nach der er fällt, befindet sichauch der Zukünftige.

Im Münstertal, wie fast im ganzen romanischen Graubünden, ist der 1. März,, Chalanda Marz", ein Kinderfest. Die Schulknaben ziehen mit großen undkleinen Kuhglocken von Haus zu Haus, schellen laut und rufen dazu: 1)

Chalanda Marz, chaland Avrigl,Lasché las vachas our d'ovigl!

Las vachas vaun culs vdels,Las nuorsas culs agnels,

Las chevras culs uzŏls

E las giallinas fauns ils övs.

La naiv smarscheschla,

E l'erva crescha.Scha'ns dais qualchosa,

Schi Dieu as benedescha,

E scha nun' s dais unguotta,Schi' 1 luf as sbluotta.

( Erster März, erster April,

Lass't die Kühe aus dem Stall!Die Kühe gehen mit den Kälbern,Die Schafe mit den Lämmern,Die Ziegen mit den ZickleinUnd die Hennen legen Eier.Der Schnee schmilzt,

Das Gras wächst.

Wenn Ihr uns etwas gebt,

So segnet Euch Gott,

Und wenn Ihr uns nichts gebt,So beraubt Euch der Wolf.)

Die Kinder bekommen dafür überall Kastanien, Reis, Nüsse, Äpfel, Orangen u. a. m.sowie auch Geld. Die gesammelten Lebensmittel verwendet man für einen kleinen Schmausam Nachmittag oder auch am nächsten Sonntag, und mit dem Geld veranstaltet die Schuleim Sommer einen Tagesausflug. Früher pflegten sich die Knaben am Tage des, ChalandaMarz zu verkleiden, wie dies auch heute noch im Engadin vielfach geschieht; 3) imMünstertal ist diese Sitte schon längst verschwunden.

, Der Brauch des, Chalanda Marz', der im Engadin seinen vornehmsten Ausdruckfindet, gehört mit dem Kornaufwecken, Pechtelspringen und den Faschingsumläufen in

1) G. Barblan: Sitten, Gebräuche und Volksfeste im Unterengadin. Schweiz. Archivfür Volkskunde, 1915, S. 73.

2) G. Barblan a. a. O.