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geschüttet, der Stab hineingesteckt und in der Höhe der Milchmenge eine Kerbe gemacht.So viel Milch muß dann der andere im gleichen Gefäß zurückbringen. Geschieht es, sowird die Rechnung ausgeglichen, indem man die rechteckige Kante des Meßstabes weg-schneidet.
Der Brauch des Milchaustausches reicht weit über die Alpenländer hinaus.So findet er sich zum Beispiel am Kaukasus( Kartalinja, Gouvernement Tiflis) wieder,wo das Verfahren beim Milchaustausch auf einem ähnlichen Prinzip wie im Averstalberuht.) Es sei mir gestattet, diesen Brauch des Milchaustausches im Kaukasus in seinenHauptzügen darzustellen: Zwei Bauernfamilien, die nur je eine Kuh besitzen und größereMilchmengen auf einmal zu Butter verarbeiten wollen, schließen miteinander einenVertrag( chaneluba) ab, nach dem sie sich verpflichten, einander abwechselnd 14 Tagelang Milch zu liefern. Zuerst bringt die eine Bäuerin 7 Tage hintereinander diefrisch gemolkene Milch und dann kommt die zweite an die Reihe. Vor jeder Lieferungmißt die Bäuerin bei sich zu Hause die Milch mit einem in den Melkeimer gestecktenfingerdicken Stäbchen( tschdé) ab, auf dem in der Höhe der Milchmenge jedesmal eineKerbe gemacht wird. Da es heißt, daß dieser Tauschvertrag sich unter göttlichem Schutzbefindet, wird das Messen auf das genaueste durchgeführt.
Nach 14 Tagen findet die Abrechnung zwischen den beiden Frauen, gewöhnlichin der Nähe eines fließenden Wassers, statt. Zuerst wird die Milchrechnung der einen Fraubeglichen. Man füllt zu diesem Zweck den für die Milchlieferung benützten Melkeimer mitWasser, und zwar bis zur ersten Kerbe des hineingesteckten Meßstäbchens der betreffendenBäuerin. Diese Wassermenge, die die erste Milchlieferung darstellt, wird in einengroßen Kessel geschüttet und die erste Kerbe geblendet", das heißt eine Gegenkerbegemacht, wodurch ein Stückchen Holz herausfällt. So wird weiter verfahren, bis die ganzeim Kessel enthaltene Wassermenge der siebentägigen Milchlieferung der ersten Bäuerinan die zweite entspricht. Nun steckt man in den Kessel ein eigens dazu bestimmtesStäbchen( kudna), auf dem in der Höhe des Wasserniveaus eine Kerbe geschnitten wird.Hierauf wird der Kessel ausgeleert und man wiederholt das gleiche Verfahren, um dieMilchlieferungen der zweiten Frau an die erste zu bestimmen.
Zum Schluß wird noch die Differenz zwischen der gesamten Milchmenge, die dieerste, und derjenigen, die die zweite Bäuerin geliefert hat, bestimmt. Hiezu wird daszuletzt erwähnte, nur zwei Kerben( von den beiden Gesamtlieferungen der Bäuerinnen)enthaltende Stäbchen in den Kessel gesteckt und dieser bis zur oberen Kerbe des Hölzchensmit Wasser gefüllt. Dann beginnt man das Wasser aus dem Kessel in den Melkeimer zuschütten, und zwar so lange, bis der Wasserspiegel im Kessel die untere Kerbe des Meß-stabes erreicht hat. Das nun im Melkeimer enthaltene Wasser bestimmt den Überschuß anMilch, den die Bäuerin bei der Rückerstattung ihrer Schuld brachte. Dieses Plus wirddurch eine Kerbe auf einem neuen Stäbchen bezeichnet und in der Weise vergütet, daßdie betreffende Bäuerin bei dem nächsten Milchaustausch die erste Lieferung unterlassendarf. Ist nun alles erledigt, so werden die alten Kerbhölzer entzweigebrochen und in denFluß geworfen, womit die Abrechnung abgeschlossen ist.
3. Beleuchtungsgeräte.
Betrachtet man die Schätze einer Münstertaler Vorratskammeretwas genauer, so bemerkt man zwischen den schönen Bündner-schinken, den Milchprodukten und anderen in reichlicher Menge auf-gespeicherten Lebensmitteln auch einzelne alte Gegenstände, die fürden Hausgebrauch entbehrlich geworden sind und nur aus Pietäthier aufbewahrt werden.
1) N. L. Abasadse: Ethnographitscheskoje Obosrenje( Ethnographische Rundschau).Moskau 1898. S. 126 bis 132.