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Hochgebirgsvolk in Savoyen und Graubünden : ein Beitrag zur romanischen Volkskunde
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und jung mit großer Geschicklichkeit und Sicherheit ausführt. ImEngadin hat man es in dieser Hinsicht viel bequemer, denn in denmeisten Häusern ist hinter dem Ofengestell eine kleine Holzstiege( burel) angebracht, die bis zur Kammerluke führt.

Das Ofengestell im Engadin, dort» turna« oder» giatrera dellapinia«( Ofengitter) genannt, zeigt in Bezug auf Form und Auswahlvon Ziermotiven viel Ähnlichkeit mit dem vom Münstertal.

Die geschilderten, im Münstertal wie im Engadin noch vielfachverbreiteten Ofengestelle fehlen im Obervintschgau. Nur vereinzeltfindet man hier ein ganz einfaches Gerüst um den Ofen herum an-gebracht.

Der Ofen selbst ist im Münstertal gewöhnlich aus Giltstein( anstehendem Gestein, das die Eigenschaft hat, die Wärme sehr lange zubehalten) ganz einfach gearbeitet. Kachelöfen sind selten und stammenvorwiegend aus dem benachbarten Obervintschgau, wo früher be-deutende Kachelbrennereien waren.

Der plumpe, von typischer Holzverkleidung umschlossene Giltsteinofen bildet imWinter gewissermaßen die wärmespendende Seele der Münstertaler Stube. Das fühltman erst, wenn man nach langem Frieren in solch eine geheizte Stube tritt und die Flutvon Wärme auf sich ein wirken läßt. Die Münstertaler behaupten, daß die Stube überheiztwerden müsse, damit der Körper recht viel Wärme in sich aufnehmen könne und so amnächsten Tag gegen die Kälte widerstandsfähiger sei.

Die Wärme dringt aus der Stube in die darüber gelegene ofen-lose Schlafkammer durch die bereits erwähnte Kammerluke über demOfen. Diese Luke kann mit einem Holzdeckel abgeschlossen werden,der in der Regel mittels Scharnieren zum Aufklappen, seltener zumSchieben eingerichtet ist. Eine ganz abweichende Art des Abschlussesder Kammerluke fand ich in einem alten Haus in Cierfs vor.( Fig. 6.) Die Kammerluke wird hier von einem Brett in Form einerHolzstiege abgeschlossen; das Brett ist an einem Ende durch Scharnierebefestigt und kann mittels einer Rolle herabgelassen werden. Willman nun von der Stube in die Kammer gelangen, so zieht man dieeben erwähnte Stiege an der Rollenschnur hinab und steigt hinauf.Auf diese Weise erzielt man mit einer einzigen Vorrichtung gleich-zeitig einen Abschluß für die Kammerluke und einen bequemenAufstieg in die Schlafkammer.

2. Küchen- und Wirtschaftsgeräte.

Wir verlassen nun die Stube und betreten den anstoßendenRaum, die Küche( cušine), die in den meisten Münstertaler Häuserngleichfalls das altertümliche Gepräge bewahrt hat.

Die Herdanlage des in der Regel gewölbten und von Rußgeschwärzten Küchenraumes gleicht eher derjenigen des benachbartenObervintschgaues als jener des Engadin.

Im Münstertal ist der offene Herd zirka 60 cm hoch und die Feuerplatte( platta)ruht auf einer gemauerten Unterlage. Der für die romanische Herdanlage typische großeKaminmantel, welchen man im Engadin über dem niedrigen Herd noch oft antrifft, findet