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Hochgebirgsvolk in Savoyen und Graubünden : ein Beitrag zur romanischen Volkskunde
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Valcava, St. Maria) wird die Engadiner Hausform immer seltener undin den beiden untersten Gemeinden Münster und Taufers verschwindetsie gänzlich; an ihre Stelle ist die erste Zwischenform getreten,die im oberen Münstertal nur sporadisch vorkommt.

Umgekehrt herrscht das typische ObervintschgauerHaus in Taufers, der ersten Münstertaler Gemeinde vom Vintschgau aus,vor. Bereits von Münster ab begegnet man der zweiten Zwischen-form, die im oberen Münstertal, wo das typische Vintschgauer Hausgänzlich verschwunden ist, an Zahl bedeutend zunimmt; in Cierfsder ersten Münstertaler Gemeinde vom Engadin aus, tritt die zweiteZwischenform am häufigsten auf.

Auf diese Weise finden wir an den beiden äußersten Enden desMünstertales, in Cierfs und in Taufers, die lokalen Varietäten desEngadiner und des Vintschgauer Haustypus am deutlichsten aus-gesprochen und am häufigsten vertreten: In Cierfs die zweiteZwischenform neben dem typischen Engadiner Haus, in Taufersdie erste Zwischenform neben dem typischen Obervintsch-gauer Haus.

Da sich moderne Einflüsse bisher nur wenig im Münstertalgeltend gemacht haben, finden sich hier noch zahlreiche, nur wenigmodernisierte Häuser aus dem 17. und 18. Jahrhundert, einzelnesogar aus der Mitte des 16. Jahrhundertes. Mit Hilfe dieses wertvollenMaterials können wir das Einströmen und das Aneinanderprallen derbeiden Kultureinflüsse, des rätoromanischen und des germanischen,noch heute im Münstertaler Hausbau ganz gut verfolgen.

5. Haustypus mit dem Zwischengeschoß.

Neben den reinen und den lokal modifizierten Engadiner undObervintschgauer Haustypen besteht im Münstertal vereinzelt nocheine Hausform, die sich von den zuvor erwähnten insofern unter-scheidet, als hier zwischen dem Wohn- und dem Kellergeschoß nochein zu ebener Erde angelegtes Zwischengeschoß eingeschaltet ist,welches zwei bis drei Vorratskammern und einen meist geräumigenFlur enthält. In solchen in der Regel sehr alten Häusern( 16. und17. Jahrhundert) findet man außer den Kellern noch fünf bis sechsVorratsräume( suler) für Fleisch, ausgedroschenes Getreide und andereLebensmittel. Als Erklärung für diese große Anzahl von Vorrats-räumen führen die Münstertaler und Engadiner die in früheren Zeitensehr häufigen Überfälle an, welche die Einheimischen veranlaßten,sich mit größeren Mengen von Lebensmitteln zu versorgen. Mir scheintaber eher der Umstand, daß die Bauern dieser Gegenden früher allesselbst produzierten und daher mehr Räume als heute für ihre Vor-räte benötigten, der Grund dafür zu sein. So begegnen wir, wie nochspäter ausgeführt wird, einer ganz ähnlichen Hausanlage mit einem