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Hochgebirgsvolk in Savoyen und Graubünden : ein Beitrag zur romanischen Volkskunde
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Taufers, auf den im Münstertal zahlreichen Schuttkegeln gelegen, dieheute bereits zum großen Teil getrocknet und zur Ruhe gekommen sind.Die Schuttkegel, die ein charakteristisches Merkmal so mancher Hochtäler bilden,beherrschen auch im Münstertal das morphologische Gesamtbild und bieten fruchtbarenBoden für die hier angelegten Ackerfelder. Neben den blühenden Gefilden, die den Fleißder Münstertaler bezeugen, wirken die in jüngerer Zeit von Schlamm und Geröll bedecktenFeld- und Wiesenpartien, auf denen nur spärliches Gestrüpp und Flechten gedeihen, über-aus unerfreulich. Dieses traurige Bild mahnt beständig an den größten und gefährlichstenFeind der Münstertaler, an die alles Leben vernichtende Muhre( hier, Ruina" Rüfe genannt);an ihren letzten katastrophalen Niedergang in Münster im Jahre 1865 wissen sich nochalle zu erinnern.

II. Das Haus.

1. Allgemeine Bemerkungen.

Wie bereits erwähnt, lassen sich die einzelnen, durch den ge-schichtlichen Werdegang dieses Hochtales bedingten Kultureinflüsseeinigermaßen in der Bauart des Münstertaler Hauses erkennen. Die zahl-reichen Geschlechter, die schon im 15. Jahrhundert aus dem Engadinhier eingewandert sind( Groß Lucius von Ardez, Muschaun Adam vonGuarde, Foffa Balsar von Schuls, Binna Johann von Fetan u. a. m.¹),haben wahrscheinlich die Bauart ihrer Heimat nach dem Münstertalverpflanzt und diese neben der vom Vintschgau hier bodenständiggemacht. Auch die allerdings viel später erfolgte Einwanderungeinzelner Geschlechter aus dem Veltlin sowie auch der Jahrhundertewährende Verkehr der Münstertaler mit den Veltlinern dürfte inder einen oder anderen Weise das Münstertaler Haus beeinflußthaben. Wie sich aber der Einfluß von Veltlin aus im Münstertal geäußerthat, konnte ich leider nicht feststellen, da es mir unmöglich war, dieEinreisebewilligung nach dem Veltlin zu erhalten. Jedenfalls weisendie Reste der im Münstertal ehemals vielfach verbreiteten Sgraffito-malerei auf den Einfluß Italiens hin.

Hat man mit vieler Mühe das anfangs unentwirrbar scheinendeChaos der Haustypen im Münstertal auf einige Grundformen zurück-geführt, so sieht man bald, daß das Münstertal eigentlich keinenselbständigen Haustypus aufweist. Denn was wir hier finden, istzum großen Teil entweder nach Engadiner oder nach Obervintsch-gauer Art gebaut. Dabei haben, wie noch gezeigt wird, diese zweiGrundformen des Münstertaler Hauses im Laufe der Jahrhundertegegenseitig aufeinander gewirkt, was mannigfache Kreuzungen dereinzelnen typischen Merkmale und eine lokale Abänderung derbeiden Haustypen zur Folge hatte.

2. Gesamtanlage. Haupttypen.

Viele der Münstertaler Häuser gleichen einander zwar, von außengesehen, fast vollständig, weichen aber in ihren Grundrissen trotzdembeträchtlich voneinander ab.

1) P. Albuin, a. a. O. S. 6.