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Hochgebirgsvolk in Savoyen und Graubünden : ein Beitrag zur romanischen Volkskunde
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( aufstrebende Traubenranken) verziert. Die Grundform dieses Spinn-rockens ist der durch Schlitzung und Aufstauchung im Oberteilausgebauchte Rohrspinnrocken, der charakteristische Mittelmeer-typus. ¹)

Weihbrunnkessel und Heiligenfiguren aus Holz.

Ein beliebtes Objekt für den Bessaner Künstler bildeten fernerdie kleinen Weihbrunnkessel aus Holz, die gewöhnlich an der Vorder-wand der Kasten betten in der Stallwohnung angebracht sind.

Tafel XI( Fig. 1) zeigt einen der schönsten derartigen Weihwasserbehälter ausBessans. Die leider beschädigte kelchförmige Schale mit Flügelschwingen ruht hier aufeinem gleichfalls geflügelten Engelskopf; zu oberst befindet sich die Hostie(?) im Strahlen-kranz. Das Ganze ist in barocker Schnitzerei ausgeführt und dürfte aus der Mitte des18. Jahrhundertes stammen.

Eine andere, häufiger vorkommende Art der Weihbrunnkessel besteht aus einergerieften Schale und einem durchbrochen geschnitzten, mit dem Namen Jesu versehenenRückenbrett.( Taf. XII. Fig. 2.) Es ist eine Arbeit im Stil des 18. Jahrhundertes( zweiteHälfte). Nach der Meinung des Herrn Dozenten Dr. A. Haberlandt sind die besprochenenWeihbrunnkessel interessante Nachbildungen in Holz nach Vorbildern in der Hafnerei.

Neben den geschilderten Weihbrunnkesseln haben sich nochin vielen Bessaner Häusern buntbemalte Holzfiguren erhalten,welche die verschiedenen Schutzheiligen darstellen.

Besonders beliebt ist die Darstellung des heiligen Antonius von Padua, des lokalenSchutzpatrons der Haustiere( Taf. XI, Fig. 4), Johann des Täufers, des Schutzpatrons desMarktes Bessans( Taf. XI, Fig. 5), des heiligen Martin, der hl. Margarete sowie der ein-zelnen Apostel.

Die meisten dieser Heiligenfiguren jüngeren Datums weisen nur wenig Bemerkens-wertes auf; unter den älteren Exemplaren findet man öfters manches Interessante inBezug auf Ausführung und Auffassung, so zum Beispiel an einer Figur der Dreifaltigkeit.( Taf. XI, Fig. 3.) Auch die in volkskünstlerischer Hinsicht gewiß beachtenswerte Figurder heiligen Margarete, die im Gebet auf einem Drachen kniet, weicht von der in denöstlichen Alpenländern üblichen Darstellung durchaus ab.( Taf. XI, Fig. 6.) Diese Holz-figur, deren Höhe 54 cm beträgt und die vorwiegend mit gelben, grünen, braunen undroten Farben bemalt ist, dürfte aus dem 17. Jahrhundert stammen.

Schließlich wäre noch von dieser Art der volkskünstlerischen Erzeugnisse ein Holz-relief zu erwähnen, das den heiligen Martin mit dem Bettler darstellt und 1741 datiert ist.Bei diesem sonst ganz kunstgerecht geschnitzten Stück fällt vor allem die unnatürlicheHaltung des heiligen Martin auf, dessen Oberkörper in Vorderansicht dem Zuschauerzugewendet ist, während die Beine Profilstellung einnehmen.( Taf. XI, Fig. 7.) Auf dieseWeise schneidet die Sagittalebene des Reittieres die des Oberkörpers des Reiters untereinem Winkel von 90°.

Wir finden diese unnatürliche Stellung des Reiters auch bei manchen anderenWerken der Volkskunst, so zum Beispiel bei einem Kinderspielzeug, einem Pfeifchenaus Ton, das Twardowski, den polnischen Faust, auf einem Hahne reitend darstellt. 2)

Änlich ist manchmal die Stellung des heiligen Georg im Kampfe mit dem Drachen.Schon in den Werken der Gotik findet man die gleiche Auffassung.

1) Dr. A. Haberlandt: Vor- und frühgeschichtliche Überlieferungen im Volksbesitz

der Gegenwart. Wiener Zeitschr. f. Volkskunde 1919, S. 87.

3) E. Goldstern: Twardowski, der polnische Faust. Zeitschr. f. österr. Volkskunde 1912.