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Hochgebirgsvolk in Savoyen und Graubünden : ein Beitrag zur romanischen Volkskunde
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Das Salz wird auch für die Haustiere eingesegnet und in einzelnen Alpenländern,so zum Beispiel in Savoyen( Vallée des Bauges), pflegt man noch am St. Antoniustage,dem Tage des Schutzpatrons der Haustiere, dem Vieh geweihtes Salz zu geben.

Das gesegnete Salz kann für den in der Benediktion bestimmten Zweck verwendetwerden und wird in der Kirche in einem Gefäß aus Holz, Glas oder Ton aufbewahrt. 1)Diese Gefäße sind heute gewöhnlich nur einfach gearbeitet. Wenn man jedoch die sakraleBedeutung des Salzes in Betracht zieht, ist es wohl möglich, daß die kirchlichen Salz-behälter ursprünglich kunstvoller ausgeführt oder figural ausgeschmückt waren.

Für die Vogelgestalt der ursprünglichen kirchlichen Salzgefäße spricht vielleichtder Umstand, daß Unsterblichkeitstrank- oder Rauschtrankbehälter, wie sie Spieß 2) füreinige europäische und außereuropäische Völker bis in die prähistorischen Zeiten nach-gewiesen hat, häufig als Vögel geformt sind( entenartige, der Hallstattzeit angehörigeBronzevögel).

Da nun das Salz als ein alles Faule und Schlechte abwehrender Stoff bereits inder Bibel als Bild des unvergänglichen Lebens dient, 3) bei Homer( Hom. Il.,IX, 214) als göttlich gilt und von alters her dem einfachen Familien- und dem gast-lichen Tisch seine Weihe gab, so mögen vielleicht gewisse Zusammenhänge zwischen denaltertümlichen Rauschtrankbehältern und den zu kultischen Zwecken verwendeten Salz-gefäßen nicht ausgeschlossen sein.

Wir können somit in den heute im Verschwinden begriffenen savoyischen vogel-förmigen Salzbehältern möglicherweise den letzten Rest der ehemals für kultische Zweckeähnlich gestalteten Salzgefäße erblicken, die nun ihre ursprüngliche Bedeutung gänzlichverloren haben und im Laufe der Zeit zu den Gegenständen des alltäglichen Lebens, desHausrates, herabgesunken sind.

Spinnräder und Spinnrocken.

Von den übrigen künstlerisch ausgeführteh Gegenständen desBessaner Hausrates wären noch die Spinnräder und die Spinnrockenzu erwähnen. Tafel X( Fig. 1 und 2) bringt zwei der schönstenSpinnräder, die in Bessans noch zu finden waren.

Bei dem einen, dessen Spulradhälter die in Blei eingelegte Jahreszahl 1800 trägt,ist das Tretrad in Durchbruchschnitzwerk reich ausgeführt. Die vier Speichen des Radessind auf ihrer Vorder- und Rückseite mit Motiven aus der Pflanzenwelt und geometrischenOrnamenten in Flachschnitt verziert. Der Raum zwischen je zwei Speichen ist mit Rocaille-Schnörkelungen ausgefüllt, die in symmetrischer Wiederkehr vereinigt sind.( Taf. XI, Fig. 1.)

Das zweite, ungefähr gleich alte Spinnrad hat ein weniger kunstvoll gearbeitetesTretrad, dafür aber einen hübsch geschnitzten Spulradhälter.( Taf. XI, Fig. 2.)

Die Spinnrocken kommen in Bessans in zweierlei Formvor: entweder ist es ein vierkantiger Stab mit einer Riefenverzierungdes oberen Teiles( Taf. V, Fig. 14) oder hat der Spinnrocken eineneiförmig ausgebauchten Rockenaufsatz.( Taf. V, Fig. 13.)

Bei der letzteren Art der Spinnrocken, die aus dem Ende des18. Jahrhundertes stammt, ist der Stab in der Regel mit Flachschnitt

1) K. Schrod: Das Salz. Wetzers und Weltés Kirchenlexikon. Freiburg i. B. 1897.Bd. 10, S. 1856.

2) Dr. Karl Spieß: Die Behälter des Unsterblichkeitstrankes. Mitt. d. Anthropol.Gesellschaft in Wien. Bd. XLIV, S. 20 und 31.

3) Kampfhausen: Das Salz. Riehms Handwörterbuch des biblischen Altertums.Bd. 2, S. 1360.