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Hochgebirgsvolk in Savoyen und Graubünden : ein Beitrag zur romanischen Volkskunde
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Dieser flüchtige Vergleich des bretonischen und des Bessaner Kastenbettes ergibtbereits, daß die beiden Typen im wesentlichen übereinstimmen und daß die vorkommendenAbweichungen eigentlich nicht beträchtlich sind.

Das Kastenbelt, das sich allem Anschein nach heute in Frankreich, haupt-sächlich in der Bretagne und in einigen savoyischen Hochtälern, erhalten hat, stand einstvon Frankreich bis nach Holland und von da ab im ganzen Gebiet des niedersächsischenHauses, in Holstein und Dänemark bis Skandinavien in Verwendung.

Ein weiteres Verbreitungsgebiet des Kastenbettes ist Schottland, woan Stelle der sonst üblichen horizontal gleitenden Schiebefenster vertikale treten.Auch in der Schweiz im Kanton Freiburg( Gruyère, Estavayer le lac) fand ich nochhie und da in alten Häusern Kastenbetten vor, die den bretonischen sehr ähnlich sind.

Was das Alter und den Ursprung dieses Bettypus anbe-langt, so ist bisher darüber nichts Sicheres bekannt. Dr. Haberlandtmeint, daß das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Kastenbettes aufgermanischem Boden zu suchen sei und daß es erst in der Folge,aber verhältnismäßig früh in das Wohnhaus der Bretagne Einganggefunden habe.

Die übrigen Einrichtungsgegenstände der Bessaner Stallwohnungweisen nichts Charakteristisches auf.

Der Küchenhausrat. Der wichtigste Bestandteil des Küchen-hausrates, der Kamin, ist bereits früher beschrieben worden. Nebendem Kamin an der Wand hängen einige Handgeräte, wie Feuerzange,Schürhaken u. a. m.; der Feuerhund ist hier, wie meist auch anderwärts in Frankreich, dreibeinig. Die Kochkessel stehen nebst anderemKochgeschirr auf den 30 bis 40 cm tief in die Mauer eingebautenStellbrettern( copen), die bis zur Decke reichen und auf denendas zahlreiche Ton- und Porzellangeschirr untergebracht ist.

Man bemüht sich, diesen Stellbrettern, die den Stolz der Bessaner Hausfrau bilden,ein möglichst schmuckes Aussehen zu verleihen. Daher wird man selbst in den Häusernder Armen eine Anzahl irdener, hell glasierter und bunt bemalter Schalen, Schüsseln undTeller vorfinden, die sorgfältig aufgestellt und stets in bester Ordnung gehalten werden.

Das Tongeschirr wird nicht in der Maurienne selbst erzeugt, sondern von Hausierernbezogen, die dasselbe aus Annecy( Hochsavoyen), aus der Dauphiné und der Limogehereinbringen; auch Erzeugnisse piemontesischer Töpferei werden von Bessanern auf demMarkte des nahegelegenen Susa oder bei Besuch von Turin eingekauft.

Das Holzgeschirr, das nur selten in Bessans erzeugt und hauptsächlich aus dem Talder Bauges( Hochsavoyen) bezogen wurde, ist heute sichtlich im Verschwinden begriffen.Fast jede Haushaltung besitzt zum Abtropfen lassen des ge-reinigten Geschirres ein etwa 75 cm langes und 25 cm breites,bettchenartiges Gestell, dessen Wände aus dicht neben-einander, aufrecht und schief gestellten Holzstäbchen bestehen, dieinnen an die Längsstangen des Gestelles festgenagelt sind. In derRegel ist dieses Gerät nur ganz roh gezimmert, mitunter wird esjedoch so sorgfältig ausgeführt, daß es ganz gut als Puppenbett ver-wendet werden könnte.( Taf. V, Fig. 2.) Die gleiche Vorrichtung zumAbtropfen lassen des Geschirres findet sich auch im benachbartenPiemont, und zwar in Sarre( Val d'Aosta).¹)

1) Peasant Art in Italy: The Studio 1913, Fig. 14.