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Sehr eigenartig ist schließlich der um Kopf und Kinn geschlungene,aus einem weißen Tuche bestehende Kopfbund der Malisoren desNordens; Erdeljanović teilt für ihn den gleichen Namen mit wie für dasKopftuch der Frauen; er gemahnt auch an mittelalterliche Frauentrachtenunserer Länder. Am ehesten möchte ich an Beziehungen mit dem Kopf-schal der zyprischen Hirten denken, weiteres vermag ich zur kultur-geschichtlichen Klärung dieser Trachtenform nicht beizubringen.
Bei den unter dem Namen Dukadschin zusammengefaßten Stämmensoll schließlich nach E. Durham Tätowierung üblich sein und auch sonstwird sie in der Literatur als ein charakteristisches Merkmal der Albanesenangeführt. Sieht man nach, auf welche Gebiete sich diese Angaben be-ziehen, so kommt man freilich darauf, daß als lebende Zeugen dieserMerkmale in der Regel städtische Albaner aus Prisren, Djakova u. s. w.auftreten, also keinesfalls ursprüngliche Sitten zeigende Leute. Es handeltsich hier vielmehr höchstwahrscheinlich um eine Ausstrahlung dieserSitte aus Bosnien, wo wir dieselbe in vollster Blüte treffen. Ich selbsthabe an einer großen Zahl von Kriegsfreiwilligen der nördlichen Hoch-ländergaue, abgesehen von drei Männern, die ein einfaches Kreuz in derHerzgegend eintätowiert trugen, nur zwei Männer mit reicherer Täto-wierung an Hand und Arm beobachten können, welche dieselben in Skodrasich hatten anfertigen lassen. Muster wie Symbole tragen durchaus neu-zeitlichen Charakter. Im übrigen stach der Mangel an Tätowierung sehrauffällig von dem reichlichen und malerischen Schmuck südslawischerSoldaten aus der Bucht von Cattaro und nordböhmischer Landsturm-
männer ebendaher ab.
Ein ganz bemerkenswertes Würdezeichen der Gemeinde- oderFamilienältesten des Hochlandes sind geschnitzte, gezwieselte Stöckemit abgekrümmten Enden, die sich deutlich als volkstümliches Gegen-stück, vielleicht auch als Grundform der metallenen Abtstäbe derorthodoxen Klöster der Halbinsel erkennen lassen und wohl auch mitdem Hermesstab des Altertums in Beziehung zu setzen sind. Auch derTreibstachel für die Ochsen besitzt vielfach ein gezwieseltes Ende.( Taf. IV, 5, 6.)
Was nun die Zusammenfassung der geschilderten Einzelstückein der Männertracht betrifft, lassen sich in Albanien, wie schon im ein-zelnen angedeutet, zwei Gebiete unterscheiden, die Hochländer-gaue und das Küstengebiet. In ersteren trägt man enganliegendeSchafwollhosen, oft nur durch einen Lederriemen festgehalten, die Džurdijaoder den Džamadan, im Osten schließlich statt dessen vielfach den Talagan,halbrundes Käppi, stellenweise den Kopfbund. Gürtel, Socken, Opankensind allen Gebieten ebenso wie städtische Schmuckwesten gemeinsam.Im Küstengebiet dagegen trägt man weite Hosen, regelmäßig ein Hemd,Džurdija, und hohen Fes. Suchen wir die weitere Anknüpfung für beider-lei Trachten, so steht die Malisorentracht nach ihren Grundformen zu-nächst mit den bosnisch- rascisch- dalmatinischen Formen in Verbindung