II. ABSCHNITT.
Kultur- und Lebensverhältnisse in Albanien.
Der Skutarisee.
1. Das Küstengebiet.
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Siedlungsgeschichtliche Bemerkungen.
Albanien zerfällt in seiner ganzen nord- südlichen Erstreckung inzwei ungleich große, einander parallele und deutlich von einander zuunterscheidende Naturgebiete, die größtenteils ebenen, stellenweise langeZeit des Jahres versumpften Küstenlandschaften und die gebir-gigen Innenstriche, von denen das Hochgebirge des Nordens eineganze Reihe kultureller Besonderheiten im Schoße des dortigen Volkstumsbewahrt hat. Gegenüber dem montenegrinischen Natur- und Volksgebietweist keiner dieser Teile irgendeine natürliche Grenze auf; das Beckenvon Podgorica bildet die naturgemäße Überleitung zu den Landschaftendes Skutarisees im Süden und der nordalbanische Gebirgsknoten anderer-seits ist aufs engste geographisch mit dem montenegrinischen Wald-gebirge verknüpft.
So erscheint es nicht bloß nach dem Reisewege der Expedition, derzunächst im großen und ganzen längs des Gebirgsrandes von Skodraüber Alessio nach Kruja und Tirana und von dort über das Krabegebirgein das tief einbuchtende Becken von Elbasan führte, angezeigt, zunächstdie albanischen Küstengebiete nach ihrer volkskundlichenBeschaffenheit zu untersuchen.
Wenn auch nationale Gegensätze die beiden am Skutarisee sichablösenden Volksgruppen der Montenegriner und Albaner äußerlich schärferals anderwärts Nationalitäten trennen, so geht doch der wichtigste Kultur-besitz, wenn wir von Sprache und Tracht absehen, fast unterschiedlosvon einem in das andere Gebiet über. Nicht nur die gleichen Lebens-bedingungen führen dazu, sondern auch Handel und Verkehr der StadtSkodra, das durch Jahrhunderte hier als Haupthandelsplatz und kulturellwichtigster Vorposten des türkischen Reiches gegenüber der abendländischen Glossar ::: zum Glossareintrag abendländischenKultur im Westen seine ganze Umgebung in weitem Umkreis in seinenBann gezogen hat. Es ist hier nicht unsere Aufgabe, die wirtschafts- undkulturpolitische Bedeutung des Skutarisees zu erörtern, doch mögenals auch volkskundlich bemerkenswerte Tatsachen ein paar in Skutarigewonnene Angaben über eines der wichtigsten Nährgewerbe seiner An-wohnerschaft, des Fischfanges, hier Platz finden. 28) In der Umgebung vonSkodra wird der Fischfang mit verschiedenen Mitteln betrieben. Vorwegsei das Stechen von Fischen mit fünfzinkigen eisernen Harpunen genannt.Schon dem Altertum bekannt, wird die Technik heute im ganzen Umkreisder Adria ganz allgemein geübt und ist auch am Ochridasee bekannt,eine volksmäßige Zuschreibung ist kaum irgendwie möglich.