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Kulturwissenschaftliche Beiträge zur Volkskunde von Montenegro, Albanien und Serbien : Ergebnisse einer Forschungsreise in den von den k. u. k. Truppen besetzten Gebieten ; Sommer 1916
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habe ich sie nicht ein einziges Mal zu Gesicht bekommen, dagegen hatteich in Trebinje zu Neujahr 1915 Gelegenheit, zu beobachten, daß sie fastalle älteren Herzegowzen der Umgebung als Bestandteil der alten Feier-tagstracht über die Schulter geschlagen trugen. Die Frauen tragen kleinereDecken, in Montenegro bisweilen aus feinerem Tuch, rot gefärbt und oftmit Quasten und Stickerei verziert. So hat sie sich in der Brauttrachtbei den Kućen erhalten. Dem ärmeren Gebirgsbewohner ist sie nach allenRichtungen hin dienlich. Wie erwähnt, wird streckenweise auf ihr gegessen,sie dient als Regenschutz und bei Nacht hüllt man sich in sie als Deckeein. Geographisch am nächsten stehen der montenegrinischen Strukajedenfalls die Decken der rumänischen Schafhirten in den Karpathen, dieNopcsa erwähnt, allerdings fehlt dort der nähere Aufschluß über derensonstige Artung. Auch auf Zypern kommen ähnliche Umhänge vor, ebensoin Portugal, und schon Boué hat sie mit dem schottischen Plaid ver-glichen. Nach Technik und Verbreitung gehören diese Trachtenstücke jeden-falls zu den ältesten erhaltenen Typen in Europa. Ob unter ihnen irgendeinnäherer Zusammenhang besteht, ist natürlich durchaus problematisch.Jedenfalls sei bezüglich der» Balkan«-Formen an die vielfältigen Überwurf-trachten des klassischen Altertums erinnert, als deren Überrest sie sichimmerhin noch deuten lassen würden. Vielleicht ist an einen Zusammenhangin Wort und Sache mit der lateinischen» mastruka« zu denken. Bemerkenswertist hinsichtlich ihrer kulturgeschichtlichen Stellung die östliche Begrenzungder Struka, die ziemlich genau mit den Grenzen des Karstgebietes, zugleichmit der des Holzblockbaues übereinstimmt. So scheint sie seit ältester Zeit derbodenständigen Bevölkerung dieser Gebiete zu eigen zu sein, die» bosnischenSiedler<< des Waldgebietes kennen sie nicht. Im Westen des Landes siehtman ferner ab und zu einen der hochaltertümlichen Kapuzenmäntelder Hirten, aus schwerem Filzloden gefertigt, wie sie im ganzen östlichenAdriagebiete nordwärts bis Grado verbreitet sind. Auch sie gehörenzweifellos zu den ältesten Trachtenstücken des Mittelmeergebietes. Kenntdoch schon Homer derlei Regen- und Wetterschutz. 20)

Nicht zuletzt sind als gleichfalls schon in homerischer Zeit belegbarerTrachtenbestandteil die stellenweise bunt, meist aber schwarz- weißgemusterten gewirkten Tragtaschen der Männer und Weiber Glossar ::: zum Glossareintrag  Weiber zu erwähnen,die, an Schnüren über die Schulter gehängt, unseren alpenländischen Ruck-sack vertreten. Mit einfachsten, der Technik entspringenden Ornamentenversehen, lassen sich solche Taschen über die gesamte Balkanhalbinselund Vorderasien bis ins Gebiet des Himalaya, ja bis nach Hinterindien,verfolgen, als Zeugnisse des uralten bodenständigen Textilfleißes der Weiber Glossar ::: zum Glossareintrag  Weiber.

Fassen wir das über die Trachten Gesagte nochmals kurz zusammen,so ist am einheitlichsten und altertümlichsten im großen und ganzendie Weibertracht Glossar ::: zum Glossareintrag  Weibertracht verblieben, die Tracht der Waldgebiete unterscheidetsich in Schnitt und Artung der Bestandteile vielfach von der derKarstgebiete und erweist sich in diesen Belangen vielmehr als zu dem-selben Stock gehörig wie die Trachten Albaniens und Rasciens, im