Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde19 (1913) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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19 (1913) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Schacher].

» d'Schwoafrahm«( Schweifrahmen) gelegt und dann mit einer» Schlicht«( Stärkemehllösung) und einer Bürste bearbeitet(» g'schlicht«).28 Schnalze werden auf dem» Spualrod« auf Himbeerspulchen auf-gespult als» Eintrog« oder» Durschuß«( Eintrag oder Durchschuẞ).

In Längen von 30 Ellen wird die Leinwand zerschnitten odereigentlich schon in dieser Länge gewoben. Man nennt ein solchesStück von 30 Ellen» a Stückl Leiwaht«<.

Im Kessel in Lauge wird die Leinwand nun gekocht und dannauf einer Wiese bei Bachwasser, also weichem Wasser, zum Bleichengebracht. Über aufgespreizte Holzstangen werden die» Stückl«< neben-einander aufgezogen und an beiden Enden mittels Pflöcken befestigt.Um die Leinwand vor Dieben zu sichern, wird sie recht oft mitZwirn zusammengeheftet. Und nun wird die Leinwand mit der» Leiwahtschaufl« jedesmal, sobald sie trocken ist, bespritzt, was imTag sehr häufig zu geschehen hat und einige Geschicklichkeit imWeitschleudern des Wassers erfordert.

Das Bleichen erfolgt im April und Mai. Während der Bleichenimmt man die Leinwand einmal weg zum Kochen in Lauge.

Um vor Dieben die Leinwand zu schützen, ist eine zusammen-gezimmerte tragbare Wächterhütte,» Leiwahthütt'n« aufgestellt. Inihr ist Stroh, darauf kommt ein Leilach, auf dem der Wächter, einerder Dienstknechte, liegt und sich mit einer Tuchet zudeckt. Vorn istein Vorhang. Unter der Hütte ist das Nest des Wächterhundes. Abertrotz des Bewachens wird häufig Leinwand von der Bleiche nachtsgestohlen oder in Rachefällen zerschnitten. Häufig machen Dorf-burschen den Witz, verspreizen dem Wächter den Hütteneingangmit Brettern, so daß er morgens nicht heraus kann, bis ihn der Bauer,der glaubt, er verschläft sich und ihn wecken kommt, befreit. OderBurschen vertragen den Wächter während seines Schlafes mit derHütte auf eine andere Stelle. Der Hund, der alle Burschen kennt,meldet sich nicht. Und sehr häufig kommt es vor, daß der Wächterabends Fensterin geht und wenn er zurückkehrt, ist die Hütte ver-schwunden. Er muß sie nun suchen und jemand ersuchen, sie ihmzurückbefördern zu helfen.

Ende Mai wird die Leinwand von der Bleiche genommen,» ge-kugelt, das heißt mit Kugelbrett und Kugler geglättet oder gemangtund dann kommt sie in Truhen.

Jede Braut muß mindestens eine Truhe voll Leinwand und eineTruhe voll» Reistn«( gehechelten) Flachs haben und am Tage nachder Hochzeit werden diese» Brat- Truhen«( Brauttruhen) nebst Bett-zeug, Rocken, Spinnrad u. s. w. und der Braut selbst in das Heim desBräutigams gefahren.

Der Flachs spielt im Leben des Böhmerwäldlers eine großeRolle. Die Männer tragen an Wochentagen rupfene, an Sonntagenharbene Hemden, die» Gattihosen«( Unterhosen) sind aus Leinwand,stets und überall tragen die Männer bei der Arbeit ein» Blahel«,