82
Schneeweis.
mit seichtem Leinwandsack daran( Fig. 6), das Ganze ist mittelseines Flachsstrickes an der Decke befestigt. Eine zweite Art der Be-festigung ist sehr charakteristisch: Dieselbe Wiege ist angebracht andem dünneren Ende einer jungen Tanne( jołka f.), die mit demdickeren Ende an der Čulan- Decke befestigt ist und über die Zabórkahereinragt. Ein Zug an der Zybka genügt, um sie infolge derElastizität der Tanne geraume Zeit in schwebender Bewegung zuerhalten.
Der vornehmste Platz des Hauses ist der Krásnyj ugół, der demOfen schief gegenüberliegt. Eine Menge von Heiligenbildern stehthier gruppiert um ein größeres in der Mitte.( Häufig ist das Bild desheiligen Antonius, der in der Novgoroder Gegend gelebt und Wundergewirkt hat. Unweit von Novgorod steht auch ein nach ihm be-nanntes Kloster. Auch erzählte mir eine alte Frau, daß sie von ihrenRückenschmerzen durch ein Bad geheilt worden sei, das sie am Vor-abend des Antoniustages in einem Teiche nordwestlich vom Ilmen-see genommen habe, zu dessen Antonius- Kapelle alljährlich vieleKranke pilgern und gemeinsam baden.) Über diesen Bildern schwebteine weiße Taubenform, den heiligen Geist darstellend. Vor der Taubehat man überhaupt in weiten Gebieten Rußlands eine solche Ehr-furcht, daß man sie nicht zu essen wagt; ähnlich ist es mit demHasen.
In dieser Ecke stoßen auch die langen, festen Bänke( łavka f.)zusammen, die vorne oft Verzierungen( preselénki pl.) tragen. An denbeiden freien Seiten des großen, einfachen Tisches( stol m.) mitschiefen Beinen, unten verbunden stehen bewegliche Bänke( skaméjka f.) oder Stühle. An der Wand des Čulán steht eine Ladefür Kleider( sundúk m.) und ein niedriger Kasten für Gefäße undGlassachen( škap m.). Auch in der Izba sehen wir Wandbretter( połka,połučka f.) für Geschirr und Geräte. Zum Aufhängen von Kleiderndienen Haken( gvozd) und Rechen( věšalka f.).
Was die Beleuchtung betrifft, so war früher das Brennen vonKienspänen herrschend, heute ist die Lampe schon weit verbreitet.
Die Izba des Niederhauses( Fig. 8).
Die Eigentümlichkeiten der Izba des Stockhauses werden unsnoch deutlicher, wenn wir einen Blick in die des Niederhauseswerfen. Die Unterschiede erklären sich vor allem aus der Stellungderselben zum Dorfweg: Im Norden Giebelstellung mit drei Fensternan der Gassenseite, im Süden Querstellung, so daß der Gasse dieLangseite zugewendet wird, doch ebenfalls nur mit drei Fenstern;im Norden der Ofen an der Türseite, Mündung den Fenstern zu-gekehrt, im Süden der Ofen gegenüber der Tür. Es erscheint alsoder Platz des Krásnyj ugół im Süden vom Ofen eingenommen; wieaus Figur 8 ersichtlich ist, befindet sich ersterer hier an der Türseite.