Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde19 (1913) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
19 (1913) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Kleine Mitteilungen.

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67. Woldmeista= Waldmeister( Asperula od.), dessen Verwendung als Teeund Maitrank bekannt ist.

68. Woldspitzla

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Waldspitzchen sind die jungen, gelblichgrünen frischenTriebe von Fichten und Tannen. Die Waldspitzchen werden gesammelt und mit Brannt-wein angesetzt und dann als Einreibungen wie Arnika verwendet.

69. Zi( nn) g rås Zinngras, Winterschachtelhalm( Equisetum hiemale), kommt( wegen des hohen Gehaltes an Kieselsäure) mit dem feinen Lehmsand( Zi[ nn] sand"Zinnsand) zum Putzen von Zinn- und anderem Metallgeschirr in Anwendung.

70. Zucka Zucker ist eine Pflanze, Frauenmantel( Alchemilla vulg.) genannt,und hat wohl den volkstümlichen Namen Zucka" daher, weil die kleinen Blütchen demim Handel vorkommenden schwarzen Zucker"( Rohzucker) und dem feinen( körnigen)Kandiszucker( Kanlzucka") ähnlich sehen. Diese Blumen werden gern mit den Pata-kapplan und Vergißmeinnicht in Kränzchen gebunden( Fronleichnam).

Der Backtrog als Abwehrmittel gegen Feuersgefahr.Von Robert Eder, Mödling.

Das Gewitter und den durch Blitz verursachten Brand des Hauses oder die Feuers-brunst im allgemeinen schrieb das Volk den Hexen und Dämonen zu. Mancherlei Mittelgab es, um der Feuersgefahr zu steuern, so das Läuten mit der Kirchenglocke, dasSchießen mit geweihter Kugel oder das Blasen mit dem Wetterhorn gegen die drohendeWolke, das Bildnis aus Holz oder Stein des heiligen Florian, der, mit einem Eimer einkleines brennendes Haus löschend dargestellt, am Hause angebracht ist, geweihte Palm-zweige, die früher als Schutz im Gemach aufbewahrt, nach Erneuerung dieser zu Osternunter den Dachfirst gesteckt wurden( Nordböhmen), sowie auch Haselt uten zu einem Besengebunden, oder die Haselrute am Fenster außen befestigt( Tirol), die Hauswurz" aufDächer und Mauern gepflanzt( Nieder- und Oberösterreich), der Holler" in der Nähe derHütte und anderes mehr. Insbesondere aber schützten das Haus, das bereits vom Feuerbedroht ist, Feuerversprechungen und Feuersegen. Auch ist nach dem Volksglauben indeutschen Landen jenes Haus vor Feuer bewahrt, in oder an dem die Schwalbe ihr Nestgebaut hat und auf dessen Dach der Storch nistet sowie in dem sich ein gekäfigter Kreuz-schnabel befindet( Isergebirge).

Nun aber hörte ich einen in dieser Hinsicht recht seltsamen Brauch, den mir einReichenhaller Kurgast, Herr Pastor Plügge aus Crossen bei Erlau in Sachsen, mitteilte:In mancher Gegend in Sachsen und im österreichischen Grenz-gebiete wird ein Backtrog an dem vom Feuer gefährdeten Hausegegenüber der Feuerstätte des Nachbarhauses, vorne offen, auf-gestellt, damit das Feuer nicht herübergreife.

Eine Erklärung dieses absonderlichen Feuerabwehrmittels konnte ich nicht erhaltenund in Analogie zu einem anderen Volksbrauche, bei dem ebenfalls der Backtrog eineRolle spielt, will ich versuchen, die Verwendung desselben bei Feuersgefahr zu deuten.

Elard Hugo Meyer( Germanische Mythologie) faßt die Wolke im Naturmythus alsBacktrog auf, so sagt er Seite 123: Die Maren... haben einen Rücken hohl wie einBacktrog, weil die Wolke abwärts sich ergießt, während sie oben sich leert." Ebenso istdie Huldra, Holda hinten hohl wie ein Backtrog( ebenda S. 274, 275, 277). Auch nachP. Willibald Leeb( Deutsche Heimat", II, 1906, S. 53) sinnbildet der Backtrog, in denbei Waidhofen a. d. Thaya am heiligen Abend das Kornstroh gelegt wird, das zumBamschatzen" gehört und welches man in den Hausgärten um die Fruchtbäume windet,die befruchtende Wolke, den Sonnenbrunnen.

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Ich gestatte mir nun, auf die von mir in bezug auf obigen Brauch gebrachteDeutung( besprochen in dieser Zeitschrift XVIII, 1912, S. 49) hinzuweisen: Unter denTrog, in welchem jenes Weihnachtsbrot geknetet wird, dessen Anschnitt man den Haus-geistern opfert, aus dem auch die Hausfrau die teigbeschmierten Hände zieht, mit denensie die Fruchtbäume umfaßt, wie Höfler( Weihnachtsgebäcke", S. 27) dies berichtet,wird das Stroh gelegt, damit an demselben restliche Teigteile als Opfergaben für dieVegetationsgeister haften bleiben."

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