Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde19 (1913) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
19 (1913) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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1. Abhandlungen und grössere Mitteilungen.

Studien zum russischen Dorf im Alt- Novgoroder Ujezd.

Von Dr. Edmund Schnee weis, Zwittau.

( Mit 12 Textabbildungen.)

Vorbemerkung.

Als ich im August des Jahres 1911 auf meiner durch Unter-stützung des österreichischen Unterrichtsministeriums ermöglichtenStudienreise durch Rußland auch am XV. russisch- archäologischenKongreß in Alt- Novgorod teilnahm, gewann ich bei den Exkursionenin die nahen Klöster und Dörfer ein großes Interesse für die vonunseren Zuständen so abweichenden Verhältnisse des großrussischenDorfes und ich nahm mir vor, nach Schluß des Kongresses tiefer insLand zu gehen und einen entsprechenden Dorfaufenthalt zu nehmen.Empfohlen wurden mir zu diesem Zwecke namentlich die Dörferlängs der Westküste des Ilmensees. Einerseits gehört dieses Gebietzu den ältesten Stammsitzen der Russen, andererseits hat sich ausden volkreichen Dörfern um den See durch Jahrhunderte ein Aus-wandererstrom nach Osten ergossen, welcher Umstand mir die Gegendals Ausgangspunkt dieses mächtigen Kolonistenstromes um so inter-essanter erscheinen ließ. Ich fuhr deshalb mit den letzten dreißigKongreßteilnehmern, die sich nach Pskow begaben, mit bis StarajaRussa, Stadt und Kurort südlich vom Ilmensee. Von dort durchstreifteich die Gegend gegen Norden, größtenteils zu Fuß. Längere Zeithielt ich mich auf in dem Dorfe Vereščino, wo ich drei Tage in derdortigen Čajnaja einquartiert war, ferner im Dorfe Šimsk am Šełoń-fluß, wo ich zehn Tage blieb, da ich wiederum in der Čajnaja ver-hältnismäßig gute Unterkunft fand und, was für mich als Fremdensehr wertvoll war, einen russischen Hörer der Philosophie als Sommer-frischler vorfand, der mir mit der größten Liebenswürdigkeit behilflichwar und der es ausgezeichnet verstand, mit den Bauern zu scherzenund sie zum ungezwungenen Plaudern zu bringen. In der verhältnis-mäßig kurzen Zeit meines Aufenthaltes suchte ich durch Skizzen,photographische Aufnahmen und fleißige Notizen das Wesentlichstefestzuhalten.

Auf Grund dieser Beobachtungen versuche ich nun nachfolgendeine Darstellung eines typischen Novgoroder Dorfes mit besondererBerücksichtigung der Dorfanlage, Flurverteilung, des Bauernhausesin seinen Teilen, des Hausrats u. s. w. Gelegentlich soll auch derZusammenhang mit Haus und Dorf in anderen russischen und

Zeitschrift für österr. Volkskunde. XIX.

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