Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde19 (1913) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
19 (1913) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
Einzelbild herunterladen
 
  

IV

Bedeutung hinaus internationalen Wert und Anreiz besitzen. Dies istwohl bei einem großen Museum, nicht aber bei einer Schule der Fall,und wäre es die bedeutungsvollste Institution, wie es unsere Kunst-gewerbeschule oder die Kunstakademie sind. Aus diesen Gründen hatsich bei der Umschau nach einem entsprechenden Gebäude in der ge-forderten günstigen Stadtlage das Haus der k. k. Kunstgewerbe-schule in der unmittelbaren Nähe des k. k. österreichischen Museumsfür Kunst und Industrie längst empfohlen. Ja man kann sagen, daß dieUnterbringung unseres Museums in diesem Gebäude die einzige, aberauch die glücklichste Lösung dieser für Staat und Stadt gleichwichtige Frage wäre. Mächtig unterstützt würde dieser Plan, nach voraus-gegangener Obsorge für die bedeutenden Zwecke der Kunstgewerbe-schule, dies Haus der Ethnographie und Kulturgeschichte Österreichszu widmen, durch den sinnvollen Parallelismus, in welchen die zweiin Nachbarschaft gebrachten Museen gestellt würden: hier das Museumfür österreichische Volkskunde als Repräsentant der volksmäßigenEigenart und Schaffenskraft der österreichischen Bevölkerung, imÖsterreichischen Museum die Darstellung des höheren kunstgewerb-lichen Schaffens Österreichs und seiner historischen Umwelt. Damitwürde für Wien ein Doppelmuseum von spezifisch- öster-reichischer Bedeutung geschaffen, das nicht nur die größte An-ziehungskraft für die auswärtigen Besucher aus dem Ausland, sondernfür alle österreichischen Interessenten und die Wiener Bevölkerungüben würde. Überdies bestünde die Möglichkeit, auf dem anstoßendenzugehörigen Bau- und Gartengrunde mit der Zeit nach Analogie desqerühmten Nordischen Freiluftmuseums, jedoch in gebotener Be-schränkung, eine kleine volkstümliche Häuserkolonie zu errichten,welche in Verbindung mit volkstümlich- und historisch- gärtnerischenAnlagen die Anziehungskraft des Museums außerordentlich steigernmüßte.

Es ist nicht unsere Sache, Vorschläge wegen Verlegung derKunstgewerbeschule zu machen. Doch darf erwähnt werden, daß inihren eigenen Kreisen seit längerer Zeit auf ihre in räumlicher,didaktischer und pädagogischer Hinsicht ungenügende Unterbringunghingewiesen wird. Bei einigem mit Tatkraft verbundenen gutenWillen wird es nicht schwer sein, eine beide Teile gleich be-friedigende Entscheidung zu treffen. Ob durch Verlegung der Kunst-gewerbeschule in ein anderes geeigneteres Staatsgebäude oder andie Peripherie der Stadt, in eine im modernen Pavillonsystem ge-haltene Anlage, muß den berufenen Faktoren überlassen werden.

Mit äußerster Anspannung aller zu Gebote stehenden Kräfte durchviele Jahre hindurch ist es dem Verein für österreichische Volkskundein dem letzten Zeitabschnitte, in dem das Werk überhaupt noch aufge-griffen und durchgeführt werden konnte, gelungen, der österreichischenBevölkerung und dem österreichischen Staat eine Schöpfung zu gestalten