Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde19 (1913) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
19 (1913) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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III

Der große Umfang der Sammlungen des k. k. Museums fürösterreichische Volkskunde, welche mit rund 35.000 Inventarnummerneine der größten Sammlungen ihrer Art darstellen, erfordert zu ihrerentsprechenden musealen Aufstellung die Räume eines bedeutendenGebäudes in angemessener Gliederung und Zahl. Bei der gegen-wärtigen, ganz unzulässig dichten Aufstellung in den zur Verfügungstehenden, äußerst beschränkten Mieträumlichkeiten ist eine Schau-fläche von rund 1800 belegt, eine Ziffer, die mindestens auf dasDoppelte erhöht werden müßte, um die derzeit exponierten Objekteangemessen zur Aufstellung bringen zu können. Nun ist aber gegen-wärtig fast die ganze Textil- und ein Teil der Kostümsammlung mitzirka 12.000 Objekten gar nicht in die Aufstellung einbezogen, sondernmagaziniert; es sind auch sonst in jeder Abteilung der Sammlungenbedeutende Bestände wegen absoluten Raummangels weggepackt,woraus sich eine weitere Forderung bedeutender Raumvermehrungergibt. Es muß weiters dafür gesorgt werden, daß die bekannte, vonSeiner Majestät dem Kaiser unserem Museum zur Aufstellung über-wiesene( im Besitz der kunstindustriellen Sammlungen des Aller-höchsten Kaiserhauses befindliche) große Kollektion alter-tümlicher Beleuchtungsgeräte endlich einmal entsprechendzur Aufstellung gebracht werden könne. Und dazu tritt schließlichnoch die außerordentlich zu begrüßende Möglichkeit, durch sinnvolleAngliederung der vom Staat erworbenen( einstweilen provisorisch inMieträumlichkeiten untergebrachten) prähistorisch- frühgeschicht-lichen Sammlungen des verstorbenen Regierungsrates DoktorM. Much sowie durch Einbeziehung der großen hausindustriellenSammlungen des k. k. Technologischen Gewerbe-museums, die demnächst disponibel werden, insgesamt ein ganzeinzigartiges, umfassendes Museum der österreichischen Kultur-geschichte zu schaffen.

Ein derartiges Gebäude, wie es die vorstehend skizziertemonumentale Schöpfung mit vollem Recht und stärkstem Nachdruckbeanspruchen darf und muß, kann nun gefunden werden entwederdurch Überweisung eines bereits bestehenden, günstig gelegenen undentsprechenden Gebäudes, oder durch die Errichtung eines ange-messenen Neubaues. Der letztere Fall ist nun aber bei den äußerstgeringen Chancen, in der unumgänglich geforderten günstigen Stadt-lage einen geeigneten Baugrund zu finden, so gut wie ausgeschlossen.Es bleibt also im Ernst nur übrig, die ersterwähnte Möglichkeit insAuge zu fassen und mit allem Nachdruck nach der am günstigstenscheinenden Richtung zu verfolgen.

Es ist eine nach heutigen Kulturbegriffen unbestreitbare Wahrheit,daß der Platz im Zentrum des großstädtischen Verkehres in ersterLinie den der breitesten Öffentlichkeit dienenden wissenschaftlichenund künstlerischen Unternehmungen gebühre, welche über die lokale