Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde19 (1913) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
19 (1913) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
Einzelbild herunterladen
 

II

selbst in ganz Österreich nirgends anders als im k. k. Museum fürösterreichische Volkskunde in würdiger Weise anschaulich gemacht.

Diese Schöpfung, welche nicht nur eminent imStaatsgedanken begründet ist, sondern mit welcherauch einer Kulturaufgabe entsprochen wird, der diemeisten europäischen Kulturstaaten bereits durch ansehnliche staat-liche Institute in eigenen Gebäuden und mit dem Aufwande be-deutender Mittel entsprochen haben( so in den berühmten nordischenMuseen zu Stockholm, Christiania, Kopenhagen- Lyngby, ferner in Berlin,St. Petersburg, Budapest, Bukarest, Sofia, Belgrad, neuestens auch inRom), bedeutet ein wissenschaftlich- patriotisches Bildungsinstitut fürdie gesamte Bevölkerung und insbesondere für die studierende Jugend,dem nur entsprechende Räume in günstiger Lage gegönnt zuwerden brauchen, um mit einem Schlage zu einer der populärstenund meistbenützten Bildungsstätten zu werden. Je fleißiger besucht,desto mehr werden seine Sammlungen den patriotischen und heimat-lichen Sinn der Bevölkerung stärken und anregen, desto mehr werdensie die industriellen und gewerblichen Tätigkeiten befruchten und diekonservativen Neigungen und Bestrebungen im besten Sinne desWortes in unserer Bevölkerung stützen helfen. Groß und allgemeinanerkannt sind in all diesen Belangen die bereits erreichten Erfolgedes k. k. Museums für österreichische Volkskunde; weitaus reichereFrüchte für Gegenwart und Zukunft sind bei einer größeren Gunstder äußeren Verhältnisse mit Sicherheit zu erwarten.

Auch dem Auslande gegenüber, seinen wissenschaftlichenKreisen wie dem Belehrung und Anregung suchenden Reisepublikum,hat unser Institut eine wichtige und unerläßliche Aufgabe zu erfüllen.Österreichs vielgestaltiges Volksleben, seine mannigfaltige nationaleEigenart erregt das lebhafteste Interesse der auswärtigen Fremdenwelt.Es kommt diesen Kreisen vor allem darauf an, das spezifisch Öster-reichische in Wiens Sammlungen aufzusuchen und kennen zu lernen,und sie finden diesen Reichtum am unmittelbarsten und ansprechendstenin den volkskundlichen und volkskünstlerischen Sammlungen unseresInstituts, um dabei aber mit Verwunderung und Verdruß wahr-zunehmen, wie wenig bisher dafür geschehen ist, dieseeigensten Schätze des Reiches in angemessener undwürdiger Weise zugänglich zu machen.

-

Es kann demnach wohl kein Zweifel bestehen, daß die derzeitige,gänzlich unzulängliche Unterbringung des k. k. Museums für öster-reichische Volkskunde in unsicheren und obskuren Mieträumlichkeiten,bei ungünstiger Stadtlage in Räumlichkeiten, welche zur Noteine Magazinierung, aber keine museale Aufstellung gestatten, unddies wieder nur für einen Teil der vorhandenen Sammlungenauch aus den schwerwiegendsten sachlichen Gründen ehestens einerwohlverdienten größeren Gunst der äußeren Verhältnisse weichen muß.