Ein Haus für das k. k. Museum für österreichische
Volkskunde.
Dem k. k. Museum für österreichische Volkskundein Wien, das seit seiner Begründung im Jahre 1896 in Mieträum-lichkeiten des Börsegebäudes gänzlich unzulänglich untergebrachtist, droht in verhältnismäßig kurzer Frist Obdach-losigkeit; die seitens der Wiener Börsekammer bereits inAussicht genommene Kündigung ist nur über besondere InterventionSeiner k. u. k. Hoheit des durchlauchtigsten Herrn Erzherzog-Protektors Franz Ferdinand sowie der hohen Regierung derzeitaufgeschoben worden, tritt aber spätestens im Frühjahr 1915 inRechtskraft.
Es erhebt sich unter diesen Umständen, welche zunächstbedauerlich, doch im Grunde zu begrüßen sind, weil sie einer gänzlichunhaltbaren Sachlage ein kategorisches Ende setzen, nunmehr invollem Ernst und mit aller Dringlichkeit die Frage der künftigen undentsprechenden räumlichen Unterbringung dieser reichen Museums-sammlungen, deren hoher Rang in der österreichischen Öffentlichkeitwie der ganzen europäischen Fachwelt feststeht und die vollauf geeignetund berufen sind, eine der größten und populärsten wissenschaft-künstlerischen Sehenswürdigkeiten der Reichshauptstadt zu bilden.Unter den mannigfachen brennenden Wiener Museumsfragen istdie Zukunftsfrage dieses Museums die allerdringendste, dennes handelt sich hier um ein Institut, das den ärgstenNotstand seiner äußeren Verhältnisse zu beklagenhat und andererseits dem patriotischen Fühlen derGesamtbevölkerung am nächsten steht.
Das k. k. Museum für österreichische Volkskunde, am Schluß desJahres 1896 der Öffentlichkeit übergeben, hat sich über alle Erwartungrasch und günstig durch rastlose und erfolgreiche Arbeit aus be-scheidenen Anfängen zu einer der größten europäischen Sammlungenihrer Art entwickelt--zu einer reichen Schatzkammer altösterreichischenLebens, altösterreichischer Arbeit und Sitte in ihren verschiedenennationalen Abschattungen. Es füllt mit Ehren die große und vomösterreichischen Standpunkt nicht zu verantwortende Lücke, welchein den öffentlichen Sammlungen der Reichshauptstadt übriggebliebenwar: das österreichische Volksleben, die angestammte nationale Volks-kunst und Volksarbeit in ihrer lehrreichen und anheimelnden Ur-wüchsigkeit und spezifisch österreichischen Färbung ist in Wien, istin vergleichender und dadurch allein belehrender Zusammenstellung