Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde18 (1912) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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18 (1912) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Literatur der österreichischen Volkskunde.

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ganz Asien überschwemmt. Überraschenderweise deuteten die Chaldäer diese Wasserträumeganz richtig als Geburtsträume, wie ja diese Träume selbst gewiß aus der Kenntnis eineruralten, allgemein gebräuchlichen Symbolik heraus gebildet sind und aus einer dunklenAhnung der Beziehungen und Zusammenhänge, welche die Freudsche Traumlehre alswissenschaftliche Erkenntnis darbietet( Rank, p. 71).

Endlich möge noch ein Einwand widerlegt werden, der sich leicht aufdrängen.könnte, aber wohl nicht berechtigt wäre. Der Geburtsvorgang kann als ein Herauskommenaus dem Wasser betrachtet werden, in der Sage hingegen wird das Kästchen in dieFluten versenkt, so daß eine deutliche Umkehrung der tatsächlichen Verhältnisse vorliegt.Solche Umkehrungen spielen im Traumleben eine große Rolle( Freud: Traumdeutung,2. Aufl., S. 199) und bilden geradezu eines der beliebtesten Darstellungsmittel, die demTraumleben zur Verfügung stehen.

Wenn das, was hier gesagt wurde, geeignet ist, Widerspruch und Unglauben zuerregen, so mögen alle Skeptiker bedenken, daß durch die Psychoanalyse Geisteskrankegeheilt wurden, die ohne die Hilfe dieser Wissenschaft wahrscheinlich dem Irrenhauseverfallen wären, und daß die Psychoanalytiker einen ruinierten seelischen Apparat wohlnicht in Ordnung bringen könnten, wenn ihnen die Gesetze desselben nicht bis zu einemgewissen Grade bekannt wären.

Im übrigen wird die Klarheit und Sachlichkeit der Arbeit von Rank am meistendazu beitragen, manche zu überzeugen und viele zum Nachdenken anzuregen.Dr. Alice Sperber.

14. Die Wachau in Wort und Bild. Photographisch aufgenommen und heraus-gegeben von Martin Gerlach. Text von Josef Wichner. Verlag von Gerlach& Wied-ling, Wien und Leipzig.

Mit großem künstlerischen Geschmack ist hier ein geradezu prächtiges Erinnerungs-und landschaftliches Erbauungsbuch geschaffen, der Wachau, dieser Perle Niederösterreichs,gewidmet. Auch der Volkskundler kommt von seinem besonderen Standpunkt in diesemschönen Büchlein auf seine Rechnung. Nicht wenige der mit bekannter Meisterschaft vonM. Gerlach aufgenommenen Bilder spiegeln altertümliche Haus- und Dorfanlagen, reizvolleEinzelheiten aus dem alten zünftigen Leben dieser Donauflecken ab; der schwungvollgeschriebene Text macht uns mit der reich bewegten Vergangenheit dieses Gebietes undmit der noch immer in schönen Kesten erhaltenen Eigenart dieser Gegenden vertraut.Das Buch darf bestens empfohlen werden.Prof. Dr. M. Haberlandt.

15. Das Kärntnervolk in seinen Gebräuchen. Anbang: Über Sage und Land.Von Karl Krobath. Einbegleitet von Dr. Alex. v. Peez. Zweite vermehrte Auflage.Klagenfurt bei Joh. Heyn. Kleinoktav. 169 S.

Krobaths Büchlein, 1909 zuerst erschienen, stellt eine lediglich unterhaltendplaudernde Charakteristik kärntnerischen Volkslebens dar. Es bietet wohl dem Volhskundlernatürlich manche Anregung, scheint mir aber für eine ernstgemeinte volkskundliche Dar-stellung zu salopp und tändelnd, selbst im Stil; das Liebäugeln mit dem Leser, die bisins Fehlerhafte verkünstelte Sprache, kurz, diese ganze geschmacklose Geziertheit verleideteinem die Sache fast. Krobath geht das Bauernjahr mit seinen hervorstechenden Feierndurch und schildert diese nach Sitte und Glauben( Rauhnächte, Klagewoche, Ostern,Pfingsten, Fronleichnam, Sonnenwende, Frauentage, Kirchweih, Allerseelen); ferner sprichter über die Hochzeit und wie sie zustande kommt, übers Rankeln, übers Schimmel-einreiten zur Brechelzeit( eine Darstellung, die durch die anregende Studie Dr. Grabers indiesen Blättern[ 1911] überholt ist), schildert Totenmahle, gibt Einblick in ein Hexenbüchlund bringt ein Krippenspiel, ein Weihnachtsspiel und ein Dreikönigsspiel; den Schlußbilden zwei Aufsätze über Sagenmotive in Kärnten und über das Land als Landschaft.Auch slowenische Sitte ist berührt, hie und da findet sich ein Ausblick auf Analogien inanderen Ländern; im ganzen bringt das Buch nicht viel Neues, es mag als Beitrag zurMaterialsammlung willkommen sein.Dr. Alfred Webinger.

Zeitschrift für österr. Volkskunde. XVIII.

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