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Die alten Ewiglasten der eisernen Kühe und ihre angeblichen Rechtssymbole. 163
Bei Grimm finden sich weitere Belege und Quellenverweiseunserem Rechtsbrauche; auch in unserer Zeitschrift, VII., S. 60,wo k. k. Konservator Richlý Zitate aus der agrarischen Literatur des18. Jahrhundertes mitteilt. Grimm erwähnt auch Ewig gänse;unsere Zeitschrift( X., S. 140) ebenfalls Federvieh als eisernesVieh eines Meierhofes bei Poděbrad.
Außer der Furcht vor Krieg und Seuchen, die ihm sein liebesVieh raubten und hinmordeten und die ihm lebenslang keine Ruheließ, kam mit dem nahenden Tode auch die Angst vor dem Jenseitsimmer drängender an seine Seele. Und wie Könige und Adel der KircheGotteshäuser, Klöster, Ländereien und Höfe als Seelgeräte stifteten, umsich Stufen in den Himmel zu bauen, vermachte der abgelebte Bauer,dessen Kultus immer agrarischen Charakter hatte, der Kirche seineLeibtumkuh; meist zur Erhaltung des ewigen Lichtes, das ja mitSchmalz genährt wurde, oder zur Beschaffung von Wachszinsen fürAltarlichter.
Für die Unterbringung des so an die Kirche gefallenen Viehshatte sich die Form des Bestandes( der Vermietung) eingebürgert.Sie entsprach einem wirtschaftlichen Bedürfnis vergangener Jahr-hunderte. Die so häufigen Seuchen, die nicht selten den Viehstandganzer Höfe, ja ganzer Dörfer und Gegenden dahinrafften, machten,da die Mittel zum Ankaufe von Vieh aus entfernteren Tälern meistmangelten, Ersatz durch Borgschaft und Pachtung nötig, Zustände,die auf eine uralte Stufe unseres Kreditwesens zurückweisen.
So waren im Jahre 1713 die Untertanen der Herrschaft Teinitzl( Klattauer Kreis) nach einer verheerenden Seuche¹) genötigt gewesen,für 1610 Gulden Vieh anzukaufen und noch 1173 Stück fremdeş Viehaufzunehmen, um die herrschaftliche Robot und ihre Wirtschaft be-streiten zu können. Nach zwölf Jahren besaßen diese Bauern erst1148 Stück eigenes Vieh und bangten vor der Rückforderung desgegen Zins ausgeborgten Bestand viehs. 2)
So gab auch die Kirche geopfertes oder aus Opfergeldern ge-kauftes weibliches Rindvieh, doch auch Schafe zu bedürftigen Leutengegen jährlichen Zins in Nutzung..
Die nachfolgend angeführten Beispiele mögen für das Alter unddie Ausbreitung dieser Uebung zeugen, aber auch für deren Art,Form und Zweck.
In seiner Darstellung des alten kirchlichen Lebens in Böhmensagt Winter: ³)
» Zu den jährlichen Einkünften der Kirchen gehörten vielleichtüberall Kühe, welche sich das Kirchenvermögen kaufte oder erbte1) Nur solche Leute, die die grauenhaften Verheerungen der Viehseuchen in ver-flossenen Jahrhunderten und deren Folgen auf alle Verhältnisse im Lande nicht kennen,vermögen über die heute so peinlich strengen Abwehrmaßregeln der Regierung zu spotten.2) Landesarchiv, Katasterrevision 1725, Dominium Deschenitz- Teinitzl.3) Winter, Život cirkevní v Čechách, Prag 1895. S. 533.