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Höfler.
zusammengebunden aus den zur Weihe gebrachten Heilkräutern,Blumen, Blättern und Beeren; immer aber sollte dabei nach altemBrauche eine Garbe oder eine Handvoll der jeweils gebauten Korn-ähren nicht fehlen. Der Ausdruck» Sangen« für Ährenbüschel oderKräuterbürde findet sich aber nur im Hochdeutschen. Als Weizen-sangen, Griebensangen( mit Grieben oder Fettwürfeln gemengt)erhielt das Gesinde ein Erntebrot beim Beginne der Ernte,wodurch dieses in Communio trat mit jenen Fruchtbarkeitsmächten,denen ehemals die Erstlinge der Ernte als geröstetes oder gesengtesKorn(» Sangen«) geopfert worden waren. Ähren in Teigform,sogenannte Roggenähren aus Roggenteig hergestellt, bäckt man imKreise Allenstein( Ostpreußen) und ißt sie am Neujahrstage inCommunio mit den in dieser Zeit lebendigen Seelengeistern.Nach der bayrischen Volkssage opferte man in der Nähe vonSchweinfurt im sogenannten Löhle( kleiner Loh oder Kultwald) demBilde des sogenannten Götzen Lollus Trauben und Kornähren.( Schöppner, Bayrisches Sagenbuch, I, 2, 15.) Namentlich aber spielteim Opferbrauch der klassischen Südvölker die geröstete Gerste eineRolle, ebenso in der Volksmedizin, die ja aus dem Kultopfer so vielMaterial bezog, auch die ungestampfte und geröstete Gerste. ¹) DasSengen oder Verbrennen der Weihebüschel, das heißtdie Vermittlung solcher Opfergaben durch das Feuer, gehörte zumRitus, sowohl um Gewitter abzuwehren als auch um Krankheits-geister zu vertreiben, das heißt aus der Opfergabe entwickelte sichdas Apotropäon. Wenn's gewittert, bröselt man in Unterfranken vonder sogenannten Donnerdistel etwas auf glühende Kohlen, in Würz-burg dreimal drei Donnerdisteln, das heißt drei Stengel mitje drei Blüten, und brennt dazu einen geweihten Wachsstock,» dann-passiert nichts«<. Das Räuchern mit dreimal drei oder neunKräutern vertrieb allen Zauber und jede Hexerei, die durch sogenanntesBerufen oder Beschreien verübt war.
Nach von Dalla Torre bilden in Tirol stets sieben ver-schiedene Blumen oder Kräuter den Weihbusch. In Kölnmuß der Kräuterbüschel, der zur kirchlichen Weihe gebracht wird,9, in der bayrischen Hallertau 77 verschiedene Kräuter enthalten;auch im schwäbischen Sangen sollen neunerlei Kräuter sein. DieZahlen 7 und 9( 77, 99) sind zwar uralte heilige Zahlen, dochsind sie in der deutschen Volksbotanik, wie überhaupt in der.deutschen Volksmedizin, nicht eigentlich eine germanische Ver-wendung, auch nicht im angelsächsisch Neunkräutersegen; sie sindvielmehr diesbezüglich den germanischen Völkern durch Personenvermittelt worden, welche aus griechisch- ägyptischen Quellen geschöpfthatten. Schon diese Verwendung der Zahlen 7 und 9 bei der Zusammen-
1) Numa instituit... far torrere, quo niam tostum cibo salubrius esset...statuendo non esse purum ad rem divinam nisi tostum."( Plinius, n. h., XVIII, 7.)