Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde18 (1912) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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18 (1912) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Ethnographische Chronik aus Österreich.

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zur Aufstellung der Möbel verwendet, der große Raum im Dachgeschoß eignete sichdurch seine Helligkeit für die Aufstellung der kleineren Objekte: Keramik, Textilien,Metallsachen. Das Schmiedeeisen erhielt einen eigenen Raum im Erdgeschoß, ebenso dieUhren ein Zimmer im zweiten Stock. Für die Volkskunde waren die zwei Parterreräumemit ihren schlichten Balkendecken wie geschaffen. Die große Sammlung von Holz-skulpturen von der romanischen Zeit bis zum Rokoko wurden in einem Saale möglichstnach der Zeitfolge aufgestellt. Das Stiegenhaus wurde mit Porträts, Waffen und Jagd-trophäen ausgeschmückt. Die großen Stücke, wie Täfelungen, Steine, Glocken und dieverpackten Öfen mußten magaziniert werden. Im Keller wurde eine kleine Werkstätte fürdie notwendigsten Reparaturen eingerichtet.

Bei der Aufstellung wurde vor allem angestrebt, daß jeder Gegenstand gut sichtbarund für den Benützer leicht zugänglich sei. Die Anordnung konnte schon deshalb nur einesystematische sein, weil es sich darum handelte, eine Übersicht über die aufgesammeltenBestände zu gewinnen und etwaige Lücken rechtzeitig auszufüllen..

Es sei mir erlaubt, auf die einzelnen Gruppen etwas näher einzugehen. Dieumfangreichste Gruppe ist die der Möbel. Es mag von dem Reichtum dieser Abteilungeine Vorstellung geben, wenn ich erwähne, daß das Museum zirka 150 Kästen, 70 Bett-laden, 40 Tische nnd 250 Sessel besitzt; dabei sind die Herrenmöbel nicht gerechnet.Fast jedes Tal Deutschtirols ist mit typischen Möbelformen vertreten. Gothische Nach-klänge zeigen noch die Giebelkästen( Ganter) des Pustertales und die Ötztaler Truben.Nonsberg bevorzugt Renaissancemotive, Oberinntal derbes Barock, während im Unterinntaldie gemalten Rokokomöbel vorwiegen. Form und Dekoration sind von Tal zu Tal oftsehr verschieden. Im Paznaun sind zum Beispiel die Wandkästchen mit gewundenen odergeschuppten Eckpilastern und geschnitzten Füllungen zu Hause. Pustertal bevorzugt beidiesen das Gitterwerk.

Die Zillertaler Möbel sind bunt bemalt; neben der typischen Blumenvase sindreligiöse und Genredarstellungen, zum Beispiel die vier Jahreszeiten, verwendet worden.Auch zeitgeschichtliche Bilder, wie der Auszug der Zillertaler zur Huldigung im Jahr 1838,finden sich auf Kästen und Betten. Ganz wesentlich verschieden ist das Mobiliar desbenachbarten Alpachtales; während die Zillertaler hellblauen, grünen oder roten Grundlieben, setzt der Alpacher seine Ornamente direkt auf den braunen Holzgrund.

Der Oberinntaler ist Plastiker. In endlosen Variationen kehrt auf Türen, Truhenund Kästchen neben dem Schuppenpilaster die Blattrosette wieder. Die Bemalung trittzurück, doch werden die geschnitzten Teile blaugrün, gelb und rot gefärbt. Die Stühlenehmen eine Sonderstellung ein; auch hier lassen sich eigenartige Taltypen feststellen;es sei nur auf die Ötztaler Sessel mit spitzovaler, ausgeschnittener Rücklehne und die hoch-Jehnigen Nonsberger Stühle hingewiesen, welche die italienische Renaissanceform des16. Jahrhundertes getreu bewahrt haben.

Sind die Möbel zum größten Teil Erzeugnisse bäuerlicher Handwerker, so gehörendie bemalten Spanschachteln und die Strohmosaikkästchen, von denen das Museumganze Serien besitzt, in das Gebiet der Hausindustrie. Die primäre Volkskunst ist durcheine große Menge von Blockkästchen mit Kerbschnittschmuck vertreten. Die angebrachtenDatierungen verweisen diese Erzeugnisse der Hirtenkunst in die Zeit seit dem 17. Jahr-hundert. Eine genauere Datierung lassen aber unbezeichnete Stücke nicht zu, denn die-selben Ziermotive, Wirbel- und Sternrosetten kehren zum Beispiel auf zwei mit denJahreszahlen 1633 und 1805 versehenen Trüherln wieder. Nicht selten sind Sprüche wiedas variierte, alte Buchdeckelverslein: Die Druch Ist Mir: Lip. Der Mir Si Stild Ist ADip Der Mir Si Geith Ist So Guth. Als Ander Leid".

Dieselbe Freude an reicher Zier zeigen die Wirtschaftsgeräte aus Holz, die Glocken-bögen, Ochsenjoche, Schafkampen, Sensenscheiden und Kumpfe, von denen im Museumreiche Proben aus dem Eisack- und Fleimstal, aus Fassa und dem Nonsberg aufgestelltsind. Dasselbe gilt von den Utensilien der Küche und der Milchwirtschaft, den Mohn-stampfen, Butter- und Käsemodeln, Salzfasseln und den im Charakter der Möbel be-malten Schaffeln aus Alpach und Zillertal. Von Textilgeräten seien besonders die schönbemalten Spinnrockenständer und die Strumpfkratzer aus Sarntal erwähnt.