Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde18 (1912) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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18 (1912) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Twardowski, der polnische Faust.

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käufer der Schwarzkünstler Twardowski ist. Die nebenstehendeAbbildung Fig. 8 zeigt ein solches Pfeifchen, das sich im k. k. Museumfür österreichische Volkskunde befindet:

Es ist zirka 11 cm breit, 12 cm hoch, aus Ton gearbeitet, mitgrellroter Farbe bemalt und mit Gold verziert. Das Pfeifenmundstückbefindet sich vorne unten. Twardowski, in der Tracht eines pol-nischen Edelmannes aus dem 16. Jahrhundert, sitzt auf einemgoldenen Sattel und hält in der rechten Hand das Schwert, in derlinken die Zügel. Bei Betrachtung dieser Figur, deren Ausführungziemlich plump ist, fällt vor allem die unnatürliche Stellung desOberkörpers des Reiters im Verhältnis zum Reittiere auf, und zwarsteht die Sagittalebene des Reiters zur Sagittalebene des Hahnesunter dem Winkel von 90º.

Fig. 8. Tonpfeifchen, darstellend Dr. Twardowski auf dem Hahne, Czenstochau,

Diese eigenartige Darstellung der lokalen Volkskunst knüpftan eine Episode aus der in Polen¹) weit verbreiteten und allgemeinbekannten Sage von Twardowski, dem polnischen Faust, die im folgendennun mit Berücksichtigung einiger wichtiger Bestandteile derselbenmitgeteilt werden soll. Ich stütze mich dabei hauptsächlich auf dieDissertation des Herrn W. Leppelmann:» Twardowski, der polnischeFaust.« Münster 1910. Die übrige, für die Arbeit benützte Literaturführe ich in Fußnoten an.

1) Auch in Ungarn besteht eine, von der volkstümlichen polnischen Version etwasabweichende Sage von Twardowski. Therese Pulszki: Sagen und Erzählungen ausUngarn, S. 147 bis 159.