Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde17 (1911) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
17 (1911) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Literatur der österreichischen Volkskunde.

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alte Flügelaltäre, Barockaltäre mit den Bildern, Sakramentshäuschen, Kanzeln, Gestühle,Gitter- und Abschlußwerke, Taufbecken, Orgeln, Wandbilder, Grabdenkmäler aus Steinund Holz, Gedenktafeln, Monstranzen, Kelche, Fahnen, Meßgewänder, Statuen und Gruppenaus Stein und Holz, Stuckornamente, viele Deckengemälde, andere Fresken und Glas-malereien beschrieben und oft abgebildet. Auch bei öffentlichen und privaten Häusernsind die besseren Leistungen an den Fassaden, der inneren Einrichtung an Möbeln, Öfen,Gemälden, Stuck- und Holzdecken, Porzellansachen, Uhren u. s. w. besprochen. Überallwurden die erforderlichen Angaben über Baustoff, Farbe, besondere Behandlung vermerkt.Nicht geringe Beachtung wird der Goldschmiedearbeit und Tafelmalerei gewidmet. DieGeschichte von Kirchen und Schlössern ist kurz und genau angegeben, von Ortschaften,soweit interessant, die Anlage beschrieben.

Das ganze Werk wird daher ein genaues Inventar aller Kunstschätze des Reichessein und damit einen lange gehegten Wunsch der Freunde des Denkmalschutzes erfüllen.Damit ist das Verunstalten, Verschleppen und Unterschieben minderwertiger Nach-ahmungen von Kunstwerken sehr erschwert und es wird den berufenen Aufsichtsorganenund Kunstfreunden leicht werden, bei jedem Anlaß sich über derlei drohende Ereignissezu unterrichten und Schritte zur Verhinderung zu tun,

Beim Durchsehen der erschienenen Bände wird jedermann erstaunt sein, daßÖsterreich trotz vieler widrigen Umstände auch noch in Dorfkirchen und kleinenSchlössern beachtenswerte Kunstgegenstände aufweisen kann.

Das Werk beschäftigt sich auch, soviel noch aufgedeckt werden konnte, mit denausführenden Künstlern und Kunsthandwerkern und gibt in manchen Fällen auch Datenüber dieselben. Vertreten sind Architekten, Bildhauer, Maler, Steinmetze, Stukkateure,Marmorierer, Tischler, Goldschmiede, Glockengießer, Uhrmacher, Vergolder, Orgelbauer,Zimmerleute. Dadurch ist für die engere Kunstgeschichte Österreichs reichlicher Stoffans Licht gebracht worden und es ist nun nicht mehr so umständlich wie bisher, auchdas Leben bescheidener Barockkünstler zu schreiben. Nicht selten finden wir auchbekanntere Namen, wie Daffinger, Kriehuber, Fuger und andere vertreten.

Ein nach verschiedenen Richtungen gegliedertes Register, die genaue Beziehungzwischen Abbildung und Text erlauben schnelle Zurechtfindung. Papier, Druck und Ab-bildungen sind gleichfalls ausgezeichnet.Anton Dachler.

12. Prof. Dr. Karl v. Spiess: Der Mythos als Grundlage derBauernkunst. Separatabdruck aus dem Programm des k. k. Staatsobergymnasiumszu Wiener Neustadt. 28 S.

Der in dem Titel des Schriftchens ausgedrückte Grundgedanke, als sei bei der Ent-stehung und Ausgestaltung der Volkskunst die mythische Überlieferung des Volkesirgendwie schöpferisch beteiligt, ist nach des Referenten Aussicht wohl vollständig irrig;aber in dem Schriftchen ist die Forderung einer wissenschaftlichen Erforschung dereuropäischen Volkskunst mit so viel Wärme vertreten und es sind so viele vortrefflicheBemerkungen über Art und Wesen der bäuerlichen Kunstbetätigung darin enthalten, daßjedermann das Werkchen mit Vergnügen und Nutzen studieren wird. Die Volkskunst istdurchaus von den ihr im Laufe des Kulturganges zugekommenen höheren Kunstmotivenabhängig, die zum Teil aus dem frühen Orient Glossar ::: zum Glossareintrag  Orient und dem klassischen Altertum oder derfrühchristlichen Epoche stammen und hier in uralter Geschichtszeit vielleicht Zusammen-hänge mit dem Mythus hatten, zum größten Teil aber von späthistorischen Reminiszenzenbeherrscht, So weit nicht überhaupt eine naturalistische Gegenständlichkeit alsSchmückungsprinzip in den Vordergrund tritt. Mit den lebendigen mythischen Vor-stellungen der ältesten Volksentwicklungen haben die Motive der Volkskunst wohl nirgendsdirekten Zusammenhang, noch weniger, daß sie vom Volke selbst als irgendwie symbolischempfunden würden. Ich verweise diesbezüglich auf die Ausführungen im Textband meinesWerkes Österreichische Volkskunst", die dem Verfasser wohl zu spät bekannt gewordensein dürften, um auf seine Grundansichten noch wesentlichen Einfluß gewinnen zukönnen.Prof. Dr. M. Haberlandt.

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