Ethnographische Chronik aus Österreich.
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dem er Zaubertormeln herliest, und stets besitzt er eine übermenschliche Gewalt überElemente und Naturkräfte, die er nach seinem Willen mittels des Zauberstabes bezähmtund lenkt.
Eine unbeschreibliche Abneigung hegt das Volk gegen alles Schleimige, Gleitendeund Schleichende.„ Du Schlange! ist die empfindlichste Beschimpfung, und immer habeich beobachtet, daß dem also Beschimpften Schamröte ins Gesicht stieg oder daß ererblaßte und erbebte. Das Volk hat es herausgefühlt, daß sich so manche Schlange mitMenschen antlitz ins stille Dörflein eingeschlichen, um die Volksseele zu vergiften, durchSchmeichelworte zu betäuben und auszuplündern. In unzähligen Sagen und Märchenspielen die Schlangen eine geheimnisvoll erschauernde Rolle, und wehe der Kröte oderder Schlange, die einem in die Hände fällt. Nicht nur etwa die Kinder aus Mutwillen undZerstörungslust, auch die Alten stillen gerne ihr Mütchen an diesen armen Tieren.Herzlich mußte ich lachen, als ich einmal versteckt ein Männlein sah, das sich wütendgebärdete, fluchte und mehreremal ausspie, mit dem Stocke Donnerschläge versetzte und.schließlich noch einmal kräftig ausspeiend und dreifachen Fluch herausschleudernd sichdavon machte. Ich begab mich zur Stelle und fand eine förmlich in Stücke zerschlageneunschuldige Natter. Da nützt blutwenig eine Belehrung in der Schule, keine Wander-predigten über die Nützlichkeit der Kröte, Blindschleiche etc. Das Angestammte, Ererbtesiegt über die Vernunft, die Gestalt, Lebensweise, das Kriechende ist einmal dem Volkezuwider und sollte ausgerottet werden.
Es soll aber eine gar böse Brut sein, diese Kröten und Schlangen. Sobald maneiner von beiden ansichtig wird, muß man sofort die Lippen fest aneinanderpressen, damites der Zauberin( die Seele der bösesten Zauberin lebt in der Kröte fort, daher nenntman die Kröte auch schlechtweg„ čoradonica“, Zauberin, Hexe) nicht gelänge, die Zähneim Munde zusammenzuzählen. Gelingt es ihr, so muß der Mensch im Laufe des Jahressterben, mindestens wird er aber schwer krank. Dieses blöde Gerede mag Ursache sein,daß manche Kinder wirklich beim Anblick der Kröte ernstlich erkranken
aus Schreck.Wird die Kröte im Stalle ertappt, da ist erst ein noch größeres Unglück im Zuge,als wenn ein Kind stürbe. Sie saugt den Kühen die Milch aus dem Euter aus, behext dieRinder derart, daß sie nicht mehr. melken lassen und keine Kälber kriegen, und besitztso viel Gift, daß der ganze Stall vergiftet und auf Jahre lang todbringend wird.( Erklärungder oft grassierend verheerenden Rinderkrankheiten, der Milz- und Klauenseuche!)
Gegen diese Verzauberung und Vergiftung der Kuhställe gibt es ein einziges Mittel.Man muß den Backofen durch lauter einjährige Heckenrosentriebe glühend machen( einesaubere Arbeit!), dann nimmt man einen ganz neuen Topf samt Deckel, tut ein wenigMischung von Milch und Urin der behexten Kühe hinein, steckt die Mischung in denBackofen, und bis die Flüssigkeit ausdünstet, platzt der Topf unter großem Gekracheund in demselben Moment platzt auch die Hexe, die das Unglück verschuldet hatte.
Ein anderes, aber wie es scheint minder bewährtes Mittel besteht darin, daß mandie Kröte in flagranti, das heißt beim Hexen im Stalle ertappen muß; hernach schlägtman sie so lange mit Rosenstöcken, bis sie ganz zerfasert, das heißt zu Staub geschlagenwird, sonst würden ihre Zaubereien nicht wirkungslos bleiben.
Warum spielen hier die Rosenruten eine exklusive Rolle? Sollte es ganz ohneBedeutung sein, ganz der Willkür des Volkes überlassen? Doch selten unternimmt dasVolk etwas ohne tiefere Begründung, wenn es uns auch manchmal grundlos erscheint.
III. Ethnographische Chronik aus Österreich.
Trachtenfeste. Am 11. Juni d. J. fand in Osternberg ein OberinnviertlerTrachtenfest statt, um dessen Gelingen sich besonders unser geschätztes Mitglied HerrMaler und Gutsbesitzer Hugo v. Preen verdient gemacht hat. Auch Lehrer Fritz Holzingerführte mit seinen Taufkirchnern eine Reihe altertümlicher Tänze und Spiele vor, denSiebenschritt, Landler, Schwabentanz, Zipf Adam, Eckerischen und Mühlradtanz. Am