Alte Gebräuche bei der Flachsernte in Kärnten,
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begangen wird, auch auswärtige Gäste herbei, die sich zu Wagenund zu Fuß beim Brechelhause einstellen. Die Stube ist von denÜberresten und Zeugen der Arbeit gereinigt und gewährt mit derlangen Festtafel einen feierlichen Anblick. Schon von weitem erkenntman das Brechelhaus, denn einige junge Leute haben auf dem Dach-first oder neben dem Hause einen mächtigen Maibaum gepflanzt; von,seiner Spitze grüßt ein Fichten wipfel, geziert mit einem werg-umflochtenen Blumenstrauß, dessen farbige Bänder lustig im Windeflattern.
Die Brechlerinnen haben sich zurückgezogen, um den Staubvon Gesicht und Händen zu waschen und den Sonntagsstaat anzu-legen und erscheinen endlich zum festlichen Mahle, das den Abschlußder Brechelarbeit bildet. Während der letzten Zurüstungen der Tafelverteilen sie unter die Geladenen und Gäste Blumensträußchen undsetzen sich dann an die mit weißen Linnen überdeckte Festtafel, wodie letzten Herbstblumen aus Flur und Garten prangen. Was Kellerund Küche zu bieten vermag, wird aufgetragen; im allgemeinenrichtet sich auch hier die Anzahl und Gattung der Speisen nachaltem Brauch: Brennsuppe, Dampfnudeln, Fleischspeisen mit gekochtenDörrzwetschken, Krapfen, Kuchen, getränkt in Honig und Schnaps,Kaffee und anderes, das dem Ermessen der Bäuerin anheimgestelltbleibt. Bei der Fülle des Gebotenen entwickelt sich unter denBrechlerinnen bald fröhliche Festesstimmung, die noch erhöht wirddurch die Erwartung des Aufzuges und die vor dem Hause ertönendeMusik, zu deren Klängen sich schon einige Paare im Tanze drehen.Denn während des Mahles darf noch vielfach außer den Brechlerinnenniemand die Stube betreten; in langer Reihe sitzen diese um dieFesttafel, während ein schmuckes, redegewandtes Dirnlein, die» Brechelbraut mutter«, ihren eigenen Platz einnimmt und aneinem von der großen Tafel durch Bänke und Stühle gesondertenTische die» Brechelbraut« hütet. Diese besteht aus einem großenLaib Weizenbrot(» Reindling«, abzuleiten von Reine f., irdenes oderhölzernes Milchgefäß, welches auch zum Backen dient), ist mit Silber-und Goldblättchen( den Symbolen der Fruchtbarkeit) und rotenBändern verziert und mit der bräutlichen Pflanze, einem Rosmarin-zweig, geschmückt.
Kaum ist das Mahl beendet, so verkünden Pistolenschüsse undPöllerknall das Nahen des Schimmelreiters und seines Gefolges.¹)
Drei auffällig gekleidete Männer treten durch die Türe ein undziehen die Aufmerksamkeit auf sich, teils infolge ihres sonderbaren
¹) Wenn im folgenden die Textproben aus der Beschreibung von Schüttelkopfgenommen sind, der sie im oberen Görtschitztal aufzeichnete, so ist zu bemerken, daßdieselbe Sitte mit geringen Variationen bis vor kurzem auch in den Tälern der Drauvon Bleiburg bis Villach und hinauf bis zum Millstätter- und Ossiachersee, der Metnitz undGurk bei Deutschen und Slowenen zu finden war, wo sie heute nur mehr rudimentär sicherhalten hat.