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Graber.
Anzahl von Brechlerinnen und sendet in die nächsten umliegendenBauernhöfe, bis genug Mägde für diese Arbeit gewonnen sind. DerBauer verlangt für die Abgabe seiner Arbeitskräfte eine Entschädigung,die Brechlerinnen dagegen erhalten von der Hausfrau, bei der siearbeiten, nichts als die Kost und diese kommt ihr hoch genug zustehen; denn die schwierige, Tag und Nacht währende Arbeit in derqualmigen und staubigen Brechelstube verlangt gute und reiche Kost.
Mehrere Bauern besitzen oft gemeinsam eine Brechelhütte, wes-halb sie für deren Benützung eine gewisse Reihenfolge vereinbaren.Zuerst wird der Flachs des wohlhabendsten Bauers gebrechelt unddann geht es der Reihe nach fort bis zum ärmsten Kleinbauer. Auchmit den Brechlerinnen muß man sich gegenseitig aushelfen.
Auf dem Gang zur Brechelstube sind die Mädchen allenmöglichen Neckereien der Burschen ausgesetzt: man verstellt ihnendurch Baumklötze oder Stämme den Weg, da und dort verstecktsich einer hinter Busch und Strauch und läßt die verschiedenstenTierstimmen und Laute ertönen. Diese Männer heißen Brech'lschröck'r.In Reisach( Gailtal) knallen die Burschen mit Peitschen hinter denBrechlerinnen her, um sie, wie man meint, zu schrecken; meistbleiben die Mädchen eine neckende Antwort nicht schuldig.
Hinter diesem in seiner gegenwärtigen Form verblaßten undanders ausgelegten Volksbrauche verbirgt sich ein alter Sinn: diePflanzenseelen, Verkörperungen der wachsenden Bäume und Gräser,haben eine auch außerhalb ihres Sitzes fortdauernde Existenz undmachen sich in dem vom Winde bewirkten Wiegen des Baumes,dem Wogen des Kornes, Flachses u. s. w. bemerkbar. Die Volks-phantasie sieht in diesen Bewegungen die Wirksamkeit der Pflanzen-dämonen; es kennt den Roggenwolf, die Roggensau, den Roggen-hund, den Kornstier und die Kornmutter, den Haferbock, Hafermannund die Habergeiß. Man fängt sie leicht in der letzten Garbe undbewahrt sie bis zur nächsten Aussaat auf der Tenne auf. In derneuen Saat beginnen sie ihre Tätigkeit wieder.
Diese Pflanzenseelen, welche Menschen- und Tiergestalt an-nehmen, werden beim Fällen eines Baumes, beim Schnitt des Kornesund dem Flachsraufen frei und fahren dann im Wirbelwind oderSturm daher.( Mannhardt, Wald- und Feldkulte, I, 146, 149.) Hierinberühren sie sich mit dem Wesen des alten Seelen- und TotengottesWôdan, der auch mit seinen Scharen durch die Lüfte zieht. Inunserem Falle ist ihnen also durch die Flachsernte der Unterstandgeraubt, sie sind heimatlos und verfolgen deshalb die Menschen,welche ihnen das angetan. In Vertretung der Geister ahmen dieBurschen Tierstimmen nach, offenbar weil man sich die Dämonendes Flachsfeldes als Tiere dachte..
Der Peitschenknall soll die von ihrem Wohnsitz vertriebenenFlachsdämonen verscheuchen, damit sie den Brechlerinnen nicht