Alte Gebräuche bei der Flachsernte in Kärnten.
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Fahrten waren, um so länger wurde nach dem Volksglauben derHår. In dem Glauben an die Wirksamkeit des aktiven Zauberswurzelt eine andere Volksmeinung: Die Bauern der Umgebung vonSt. Veit a. d. Gl. sind überzeugt, daß ihre Möntscher( Mägde) undKnechte das Wachstum des Flachses günstig beeinflussen, wenn sieim Fasching beim Tanze recht hoch springen. Und wenn die Paare inhöhem Sprunge das Sonnwendfeuer übersetzen, schließt man aus derHöhe der Sprünge wieder auf die Länge des Hårs, wie der Sonnwend-spruch besagt: Flåchs, Flåchs, dåß d'r Flåchs sieb'm Öll'n hoach wåchs! ¹)
Saat- und Erntegebräuche, die in alter Zeit auch an den Getreide-bau geknüpft waren, längst erstorbene abergläubische Handlungenhaben, wenn auch nicht mehr in voller Anzahl, sich in Verbindungmit dem Flachsbau noch erhalten; darf man in manchen deutschenGegenden am Mittwoch keinen Flachs säen, damit nicht das Roẞ desGottes Wodan die Pflanzen zertrete, so läßt man in der MillstätterGegend bei der Flachsernte die letzte Garbe auf dem Felde stehen,ähnlich wie dies bei der Getreideernte in vielen Gegenden Deutsch-lands geschieht, damit das Roß Wodans auch nach der Ernte noch seinFutter finde.( Vergl. Wolf, Beiträge zur deutschen Mythologie, I, 176.
Wenn die grünen Stämmchen kaum dem Boden entwachsensind, steckt man ebendort auf einer hohen Gerte, die wieder be-stimmend auf die Höhe des erwachsenen Flachses wirken soll, einrotes Papierfähnchen ins Feld oder man sichert das Gedeihen derSaat durch Anbringung eines grünen Fichtenbaumes als Repräsentantender Lebenskraft, die der Erde innewohnt. Im Gailtale steckt dieHausfrau am Sonnwendabend ein Elsenstäbchen, das am Fron-leichnamstag geweiht sein muß, mit einem Kranz aus Feldblumen indie Mitte des blühenden Flachsfeldes: so hoch der Stab, so hoch wirdder Hår, während der Blütenkranz die Stelle des oben erwähntenFichtenbäumchens vertritt; oder man steckt an drei Ecken des FeldesElsenzweige in den Boden, um ihn vor allem Hexenvolk und Un-geziefer( Krankheitsdämonen) zu schützen, die sich infolge des Zaubersdurch die offene Seite des Feldes entfernen müssen.
So ist die ganze Zeit, in der der Flachs vom Samen sich zuBlüte und Frucht entwickelt, wie mit einem Kranze abergläubischerBräuche umgeben. Aber so sorgfältig die Zurichtung des Ackers, aufdem man ihn pflanzt, die Aussaat und das Jäten vorgenommen werdenmuß, ist doch dieser Teil der Arbeit, welche der Flachs verlangt,verhältnismäßig gering und die große Mühe beginnt erst mit demrāf'n( ziech'n, rupf'n), dem Ausraufen der gereiften Pflanzen, die samtden Wurzeln in lange Reihen( reid'n) gelegt werden.
Charakteristisch für die zeitraubende Bearbeitung des Flachsesist die von R. Waizer( Kultur- und Lebensbilder aus Kärnten, Klagen-furt 1882, S. 113) angeführte Erzählung aus dem Maltatale, wonach
1) Vergl. Grieen: D. Myth. II, 1036 f. über Flachssegen.