Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde17 (1911) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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17 (1911) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Die Vampirsage im rumänischen Volksglauben.

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nachts bei seiner Verlobten und blieb bei ihr bis zu einer bestimmtennächtlichen Stunde. Als die Mutter von dieser sonderbaren heimlichenZusammenkunft erfuhr, warnte sie ihre Tochter.» Törichtes Mädchen,<<sagte sie,» Dein Verlobter ist, wie Du wohl erfahren hast, in der Fernegestorben und er kann Dich deshalb nicht besuchen. Es kann nur seinGeist in Gestalt eines Vampirs sein, der Dich bei Gelegenheit gewißumbringen dürfte. Um Dich von der Wahrheit meiner Worte zu über-zeugen, laß nur einmal zufällig die Spindel zur Erde fallen und be-sehe bei dieser Gelegenheit seine Füße.« Das Mädchen tat, wie ihmdie Mutter geheißen. Es bemerkte mit Entsetzen, daß der ver-meinte Bräutigam Ziegenfüße habe. Es konnte sich seiner nichtmehr erwehren. Einige Zeit trachtete das Mädchen ihm aus dem Wegzu gehen. Es gelang auch eine Zeitlang. Einmal besuchte es eineFreundin und mußte dann spät nachts allein nach Hause gehen.Als das Mädchen beim Friedhofe vorbeiging, denn in dieser Richtungführte der Weg zum Elternhause, erinnerte es sich zufällig an ihrenVerlobten. In diesem Augenblicke stand er an ihrer Seite. Eine Weilegingen sie zusammen. Bald darauf sah das Mädchen in einem Hausein ihrer unmittelbaren Nähe Licht und ohne sich lange zu besinnen,eilte es in dieses Haus herein, riegelte die Tür schnell zu und kehrtesämtliche im Hause befindlichen Gegenstände um.

Am Tische war die Leiche eines Mannes aufgebahrt und an dessenHaupte brannte eine einzige Wachskerze. Sonst war niemand im Hause.So war es in früheren Zeiten. Wenn jemand starb, wurden keine Toten-wachen( priveg) abgehalten und der Leichnam blieb in den meistenFällen bis zum Begräbnisse ganz allein in irgendeinem Zimmeroder draußen auf einer Lehnbank( prispa) liegen. Das verfolgte Mädchenstieg auf den Backofen und kauerte zitternd vor Furcht in einer Ecke.Da klopfte es ungestüm an der Tür.» Öffne die Tür, Du treulose Dirne,oder ich zerschlage sie in tausend Stücke!« schrie der Vampir. Alser aber seine Drohung nicht ausführen konnte und das Mädchen ihmkeine Antwort gab, besänftigte er sich einigermaßen und sprach zurSchaufel:» Öffne du, Schaufel, mir die Tür!«<» Ich kann nicht,<< ant-wortete die Schaufel.» Öffne du, Besen, mir die Tür!<<» Ich kann nicht,<<rief der Besen. So redete der Vampir alle im Zimmer befindlichen be-weglichen Gegenstände an, ihm die Tür zu öffnen. Die antworteten derReihe nach, daß sie umgekehrt wären und sich deshalb nicht rührenkönnen. Da redete der Vampir den Leichnam in Güte an, ihm die Türzu öffnen.» Öffne Du, Herzensbruder, mir schnell die Tür, damit ichdas elende Mädchen züchtigen kann, ehe noch der Hahnenschrei hörbarwird!<<» Ich kann und will Dir die Tür nicht öffnen. Du siehst jaselbst, wie ich hier ganz verlassen bin. Keine menschliche Seele kümmertsich um mich und nur dieses Mädchen will die Nacht bei mir Toten-wache halten.«» Ich verlange nicht, daß Du sie mir übergibst, ichwerde mir das Mädchen selbst holen,« sprach der Vampir.» Umsonst