Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde17 (1911) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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17 (1911) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Weslowski.

stellte sie zu Hause in ein Gefäß. Nachts verwandelte sich die Liliein ein Mädchen, schöner und reiner als die Sonne selbst, küßte denKönigssohn, dem es die wunderbare Rettung zu verdanken hatte,die Hand, nahm an dem reichen Mahle des stets gedeckten Tischesteil, dann betete es bis am frühen Morgen für das Seelenheil seinergottseligen Eltern. Am Morgen, noch vor Sonnenaufgang, verwandeltees sich wieder in einer Lilie. Als eines Nachts das Mädchen demFürstensohne die Hand küssen wollte, wurde er wach, sah das Mädchenan und war über ihre seltene Schönheit wie erstarrt. Als sie von nunan erlöst wurde und ihre Menschengestalt weiter behielt, wurde dasMädchen die Frau des Fürstensohnes. So lebten sie durch mehrereJahre glücklich und recht zufrieden. Ihre größte Freude waren ihreKinder, für deren Erziehung sie besondere Sorgfalt bekundete. Nurein Umstand betrübte den Fürstensohn. Sein Weib Glossar ::: zum Glossareintrag  Weib ging nie in dieKirche. Als wieder die Weihnachten kamen und der Fürst unauf-hörlich drängte, doch einmal in die Kirche zu gehen, erfüllte sie,wenn auch mit Widerwillen, seinen Wunsch, der unsägliches Leidüber die Familie brachte. Als die Familie nach dem Gottesdienste

es war nachts nach Hause ging, stand der verhängnisvolleVampir, von den übrigen Familienmitgliedern, ungesehen, an der Seiteder Fürstenfrau und belästigte sie auch diesmal mit der bekanntenFrage. Sie konnte auch diesmal aus Furcht und besonderer Auf-regung keine Antwort geben. Die Folge hiervon war sehr betrübend.Es starben hintereinander zuerst die Kinder und dann auch der Mann.In dieser Betrübnis kam zur Fürstenfrau die Dorfhexe, drückte ihrein Holunderzweiglein in die Hand und sagte:» Berühre damit drei-mal die Körper der Toten und Du sollst Wunderdinge sehen.« DieFürstenfrau tat wie ihr geheißen, berührte die Toten und sagte dasSprüchlein:» Wie dieser Zweig im Frühjahre zu frischem Lebensprieẞt, so erwacht auch Ihr zu neuem Leben.« Da erwachten siealle und dachten, es wäre nur ein Traum. Von nun an wurden sienicht mehr von Vampiren belästigt und lebten recht zufrieden bisan ihr nahes Ende.

Irina.

In einem Dorfe stand ein ganz verlassenes Häuschen. Da dieRäume noch gut erhalten waren, wurde es von den Mädchen bei ihrennächtlichen Zusammenkünften» Şezătoare« genannt, die im Winterzumeist abgehalten werden, um ihre Brautausstattung zu vollendengerne besucht, weil sie dort ganz unbeaufsichtigt waren und sich zuihnen mitunter auch befreundete Burschen gesellten, wodurch dieUnterhaltung noch angenehmer wurde. So kamen sie allabendlichmit ihren Spinnröcken und Stickrahmen, arbeiteten emsig bei Gesangund Scherz oder beim Erzählen von Sagen, Anekdoten oder Märchen.Sie blieben beisammen zumeist bis Mitternacht, dann gingen sie rechtvergnügt nach Hause. Vor dem Hause standen sie mitunter noch eine