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Blau.
Der Hütbub steht auf der untersten Stufe der Ehalten; er trägtaber den Marschallstab des Großknechtes im Tornister. Ja, er kannsogar Bauer werden, wenn er zur Familie eines solchen gehört odereinmal als Knecht sich zu einer Witwe verdingt. Vorerst aber wird erKleinknecht, wie ja auch auf der weiblichen Seite sich die Kindsdirnbald zur Kleindirn entwickelt. Und schmeckt ihm das Essen undschlägt es ihm an, so wird er bald so stark, daß er sich als Groß-knecht verdingen kann.
Ein Silberberger Häusler erzählte mir öfter aus seiner Jugend,daß er vor etwa dreißig Jahren in einem benachbarten Chodendorfe( Putzeried) als Hütbub diente. Er bekam 6 Gulden Lohn im Jahr undein Paar Holzschuhe; letztere aber nach einer in unserem salzarmenBöhmen seit alter Zeit allgemein üblichen Bedingung nur dann, wenner beim Mahl die Erdäpfel nicht salze.( In den tschechischen Dörfernsagt man heute noch den Kindern, die sich die Speisen viel salzen,sie würden keine Holzschuhe bekommen.) Wenn sich die Leute zumMittagessen niedersetzten, wurde er immer weggeschickt, um schnell dieGänse aus dem Garten zu jagen. Bis er sie außerhalb des Zaungattershatte und zurückgekommen war, war für ihn gewöhnlich nicht mehrviel übrig.
Auch bei den( deutschen) Bauern der Pfarre Rothenbaum muẞder Hütbub oft vom Essen weglaufen. Und er ist doch im Wachsen undgewöhnlich der Hungrigste. Wenn alle sich zum Essen niedersetzen,muß er zum Brunnen oder zum Grand( Wasserkar) um einen KrugWasser laufen. Während des Essens wird gesprochen und getrunken.Ist der Krug leer, so hat der arme Junge wieder zu laufen; diesmalnimmt er sich aber volle Backen mit.
Wo sitzt er bei Tisch? Er hat, wie jeder im Hof, seinen nachaltbayrischer Sitte hergebrachten Platz. Der erste Platz, der in derHerrgottsecke, gebührt dem großen Knechte. Zu dessen Rechtensitzt der Bauer, links der Inmann, neben dem der kleine Knechtund nun der Hütbub; dann seine Antipodin auf weiblicher Seite, dieKindsdirn, und dann nach der Würde aufsteigend die kleine Dirn,das Inweib Glossar ::: zum Glossareintrag Inweib und die große Dirn; diese an der Ecke, weil sie auf-tragen muß, während die Bäuerin, die gar nicht zu Tisch kommt, ¹)beim Ofen das Essen herrichtet. Auch die Kinder kommen nicht zuTisch. Bei Tisch verläßt keiner eher den Platz, als bis alle fertig sind.Der Bauer steht dann beim Fenster und betet den» Engel des Herrn«vor und schaut dabei hinaus; beim zweiten Fenster steht die Bäuerin,beim dritten beten die Knechte, die Mägde beim nächsten; der Hüt-bub aber lehnt mit dem Rücken an der Stubentür.
Bevor ich von seinem Leben auf der Weide erzähle, nocheiniges zu seiner Charakteristik.
1) Sie muß auch bei der Hochzeit ihrer Kinder daheim bleiben; die Patin dientdann ihrer Tochter als„ Brautmutter".