Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde17 (1911) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
17 (1911) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Böhmerwälder Hirtenleben.

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Lentnerin Georg Weinfurter, Weber, und Michael Fornemb, Hirt( alle aus Oberneuern), Zeugen waren.

Nicht jeder Hirt war in der Bibel gut beschlagen, wie folgendeHistörchen, dartun: Der Neuerner Hüter ist auf dem Weg zum Staches-rieder Schinder gewesen. Er hat ihn, weil ein Vieh verhext gewesen ist,holen müssen, daß er die Krankheit verbohrt. Es ist an einem Sonntaggewesen, und wie der Hüter durch den Rothenbaum gegangen ist,haben sie gerade zusammengeläutet. Da ist er auch in die Kirchehinein und hat sich mit seinem Hund ganz hinten in die Kirche,hinter die» Boor« gestellt. Der Pfarrer aber ist ein Landsmann vomHüter gewesen und hat von ganz armen Leuten abgestammt. Wieer nun beim Evangeli gelesen hat:» In meines Vaters Hause sindviele Wohnungen«, da hat der Hüter ganz böse gesagt:» Derstunkenund derlogen, steht ihnen daheim der Pfannenstiel zur Haustür hinaus!Geh', Pudel, geh'n mer!«

Einmal hat ein Stadtherr mit einem Hüter freundlich geredet.Er hat ihn, wie er über Land aus gegangen ist, beim Vieh stehensehen und hat zu ihm gesagt:» Lieber Mann, Ihr habt einen schönenStand; Euer Stand ist der älteste.« Jetzt hat ihn aber der Hüter ge-fragt:» Was seid denn aber Ihr?« Der Herr hat gesagt:» Ich bin derApotheker aus der Stadt.<<» Nun, da ist Euer Stand doch noch

älter, denn die erste Geiß hat schon Pillen gemacht.<<

Aus dem Verhörsprotokoll der Hofmark Eisenstein. 1)Vorkommen den 23. April 1751.

Kürchen Straff.

Vmb sich Nachstehente Vnderthanen, vnd Inleuth höchst Straffbahr Vnterfangen,von einen Hietter Hinter Piseckh ainige in Vnterschidtlichen zueständten sowohl vorMenschen als Vieh vnerlaubt gebrauchente Mitl heraus vnd in hiesige Hofmarch zu.bringen, zu dessen Abstöhlung der Herr Pfarrer bemiessigt worden, solches in derKürchen offentl: zuuerkhündten, vnd dise Mit vnter einer Todtsündt zuuerbitten, Würdtetihnen deren Straffbahres Vnternemmen auf die ervolgt Hochgenedige herrschaftl: SpecialAnbeuelchung dergestalten mit aller schörffe verwisen, daß wan einer oder der anderesich verners vnterstehen solle, zu disen Hietter vmb derley vnerlaubte Mitl abgehen, einsolcher nicht allein vmb 10 gesetzten Pöhnfahl, sondern auch mit einer um Halsgehengten Tafel, mit der Aufschrift, diese machen sich in der Schwarzkunsterfahren, an Sonn- oder Fejertagen bey der offentl: Kürchen vorgestölt, vnd ange-sechen vnd über dises ohne alle Begnadigung aus der Hofmarch geschaffet, so uolglichennach Befundt der sachen auf schörffiste Verfahren werden solte,

Vor dermahlen werden aber diejenigen, welche zu disen Hietter abgangen, vmb1 gelbes wax zum Gottshaus, dan mit 2. stündtiger Stockhstraff, diejenige aber, so sichetwas bringen lassen, ieder vmb 1 wax gebiest, als

Frantz Hoiwalckher pr

1 wax, vnd 2 stund in stockh.

Hans Wudi Ausnambs Man in ansechung seiner armueth mit doppelter Leibs Straffals 4 stundt in stockh.

Frantz Aschenprener Jnman

1 wax

Maria Schreinerin, Maria Gräßlin, Caspar Carl, Hans Georg Wudi, Hans Kuchler, Antoni. Sperl, Margarethe Voglin, Simon Schreiner, Hans Michael Schreiner, Joseph Millpaur, Hans

Georg Carl, Georg Jungpöckh je 1

1) Fürstlich Hohenzollernsches Archiv in Bistritz.

2) 1

gelbes Wachs wurde mit 54 Kr. angeschlagen.

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