Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde17 (1911) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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17 (1911) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Fischel.

großen schulfreundlichen Kaiserin Maria Theresia und adeligerDamen, namentlich aber durch die Nonnen mit ihren Schulen ver-mittelt und zugetragen worden.<<

Wenn also durch die motivische Verwandtschaft die geistigeBeeinflussung mit großer Sicherheit nachweisbar ist, so muß anderer-seits aber doch in der Verarbeitung, Umwertung, Aufsaugung dieserEinflüsse das jeweilige Maß des volkseigentümlichen Talents undTemperaments erkannt werden. In der Anwendung, Übersetzung,Häufung, besonders aber in der Färbung und Lokalisierung derSchmuckmittel liegen dann die eigentlichen Wirkungen der nationalenVerschiedenheiten. In den Einflüssen von Klima, Lebensgewohnheiten,Nahrung, Beschäftigung liegen die unerschöpflichen Faktoren, dieörtliche Verschiedenheiten hervorrufen, um die gleichen Urmotive,dieselben technischen und formalen Grundlagen zu einer unendlichmannigfaltigen Ausbildung weiter zu entwickeln. In der inneren Ver-wandtschaft, dem Alter der Motive und der oft verblüffenden Treff-sicherheit ihrer Anwendung durch bäuerliche Bevölkerungsschichten,die ursprüngliche Kraft und unbeirrbare Sicherheit bewahrt haben,liegt ein großer Teil des Reizes, den die künstlerische Tätigkeit desVolkes auf den Kulturmenschen ausübt. Gerade diese Momenteergeben aber auch zugleich die Berechtigung, in unserer Zeit an dieVolkskunst wieder anzuknüpfen.

Wie der richtige Feinschmecker schließlich immer wieder gernezum derben Hausbrot zurückgreift, so erquickt sich der überreizteStädter so gerne an volkstümlicher Art und Weise. Aber keineunmittelbare Übertragung wesenfremder Leistungen in ein ganzneues Milieu soll und darf angestrebt werden. Die direkte Nachbildunghistorischer Stile darf heute als überwunden betrachtet werden, alseiner vergangenen Periode angehörig. Ebenso aber liegt die Zeit der» Bauernstuben« hinter uns. Wer das Haus und den Wohnraumanderer Kulturstufen nachahmt, begeht den gleichen Fehler wie der-jenige, der historische Stilformen kopiert.

Der Platz für» echte Bauernstuben« ist in der volkskundlichenSammlung, die ja mit dem reichsten Apparat, mit den besten Vor-bedingungen an diese Aufgabe herantreten kann. Sie wird ein treff-licher Studienplatz für den Künstler sein, der sonst nicht oft in derLage ist, mit den verschwindenden Äußerungen der bäuerlichen Kultur,die von der städtischen Unkultur überall bedroht wird, in lebendigeFühlung zu treten. Er kann aus den kraftvollen Arbeiten des Volkeslernen, wie das tägliche Bedürfnis mit den einfachsten Hilfsmittelngeadelt wird; wie die persönliche Beherrschung der Technik im Vereinmit einer traditionellen Verarbeitung überkommener Motive zuLeistungen des Hausfleißes führt, denen ein künstlerischer Wertinnewohnt; all das und viel mehr noch vermag eine gut geordnetevolkskundliche Sammlung in eindrucksvoller Weise zu vermitteln..