Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde16 (1910) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
Jahrgang 
16 (1910) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Literatur der österreichischen Volkskunde.

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Nach einer methodologischen Einleitung über die Beurteilung, ob ein Thema selbst-ständig oder international ist, erörtert Hnatjuk die Wege, auf welchen verschiedene Er-zählungen zu den Ruthenen gelangt sind und führt zwei Varianten einer ungarisch-ruthenischen Legende: Über die drei Frauennaturen" an, welche wahrscheinlich inIndien entstanden ist und in ähnlicher Form auch bei den Arabern( Ausland 1883, S. 195)und Südslawen( Anthropophyteia VII, 1910, S. 436-38) vorkommt. Der Inhalt derLegende und insbesondere das Thema von der Umwandlung der Tiere in die Menschensprechen tatsächlich für die indische Herkunft der Erzählung, obwohl uns bis jetzt eineähnliche indische Variante nicht bekannt ist.Kuziela.

33. Rizdvjani j velykodnï virši- oraciï azi zbirnyka kinej XVII poč. XVIII v.pod. M. Voznjak.( Weihnachts- und Osternschuldichtungen und versi-fizierte Reden. Aus einer Sammlung Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhundertesvon M. Voznjak.) Mitteilungen der Ševčenko- Gesellschaft in Lemberg, 1910, Bd. 94,

S. 119-46.

Der Verfasser beschreibt eine interessante Sammlung, welche in der Bibliothekdes ruthenischen Nationalhauses in Lemberg aufbewahrt wird und zuerst in der Hand-schriftenbeschreibung von Dr. J. Svjencickyj: Cerkovno- i russko- slavjanskija rukopisipubličnoj biblioteki Narodnago Doma vo Lvově( Izvěstija Otd. russk. jazyka i slov. Imp.Akad. Nauk, 1904, III) unter der Nr. 172 erwähnt wurde. Die Sammlung hatte schonfrüher die Aufmerksamkeit einiger Forscher auf sich gelenkt und wurde von Prof. Peretzin der Abhandlung: K istorii polskago i russkago narodnago. teatra( Izvěstija O. r. j.,1907, XII, kn. 4, S. 63-86) und heinahe gleichzeitig von Dr. Ivan Franko im XVIII. Bde.des Sbornik Charkovskago istoriko- filolog, obščestva 1908 wissenschaftlich verwertet. Vonbesonderem Werte sind dort zwei bis jetzt unbekannte Intermedien Scena pjataja alboischoždenie pjatoe und Intermedium Žid iz rusynom", von denen das erste von Peretz,das andere von Peretz und Franko herausgegeben wurde. Der Verfasser ergänzte diebeiden Texte mit einigen Verbesserungen und Lesarten. Ferner enthält die Sammlungzahlreiche ruthenische Predigten sowie charakteristische Orationes"( unter anderen auchwährend der Hochzeit). Großen Wert haben endlich die Weihnachts- und Osternschul-dichtungen, die im 17. und 18. Jahrhundert sehr populär waren und sich in vielen Hand-schriften erhalten haben. Der Verfasser bringt sie hier in wortgetreuer Abschrift zumAbdruck und verspricht gelegentlich auch andere ungedruckte Abteilungen zu veröffent-lichen. Das publizierte Material( 28 Gedichte) ist auch kulturhistorisch wichtig.

Dr. Z. Kuziela.

34. Fadir Korš. Do istorií ukrainśkoho ośmyskladovoho viša.( Zur Geschichtedes ukrainischen achtsilbigen Verses von Theodor Korš.) Mitteilungen der Ševčenko-Gesellschaft, 1910, Bd. 96, S. 33-40.

Der Verfasser gibt einige Beispiele, wie der achtsilbige Vers bei den Ruthenen imLaufe der Zeit eine mehrsilbige oder sogar prosaische Form angenommen hat. Beispiels-weise zeigt Theodor Korš in der vorliegenden Abhandlung, daß eine prosaische Novelleaus Ungarn( veröffentlicht in der Ethnographischen Sammlung der Ševčenko- Gesellschaft,XXV, S. 193 u. d. T. Der ungehorsame Sohn") aus dem achtsilbigen Vers entstanden istund rekonstruiert überzeugend, ohne viel zu ändern, die ursprüngliche Form. Ferner be-spricht er das allbekannte Lied über Sahajdačnyj und bemüht sich zu beweisen, wie sichaus einem achtsilbigen Vers unter dem Einfluß der Melodie und der poetischen Analogieneue, breitere und kompliziertere Formen herausgebildet haben.

Dr. Z. Kuziela.