Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde16 (1910) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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16 (1910) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Haudeck.

Am Gründonnerstag werden die Kinder von ihren Taufpatenbeschenkt. Ärmere Kinder ziehen von Haus zu Haus und bitten umeine Gabe, dabei folgendes Liedchen singend:

Heut' is grüner Donnerstag,

Gat mer wos ei'n Battelsâk,

Loẞt mich nej su lange stie'n,Muß a Hoisl wetter gie'n.( Wartenberg.)

Ist fast überall am Lande Sitte. Die Melodie, welche ich alsbekannt voraussetze, kommt auch in anderen Kinderliedern in Ver-wendung, so bei» Sommerwürml flieg aus«,» Route, route Pfeifa«,» Rejne, rejne Tröppeln«. In der Osternacht kamen in die Dörferzwei Frauen und sangen vor den Häusern das bekannte Lied:» Er-standen ist der heilige Christ«, wofür sie mit einer Gabe beschenktwurden. Dieser Brauch scheint nicht mehr zu bestehen, denn vieleschenkten nichts mehr, da ihnen eine solche Nachtstörung unbequemwurde.

Auch an das Johannesfest im Mai knüpft sich ein Streitgedicht,welches von zwei Personen abwechselnd gesprochen, auch gesungenund mit einem Schlußliede beendet wurde. Ohne Zweifel ist auchdieses Spiel früher in Deutschböhmen aufgeführt worden. Diese alteVolksdichtung wurde in den» Mitteilungen des NordböhmischenExkursions- Klub«, III, S. 44/45, aus einer Hirschberger Sammlung ver-öffentlicht. Eine Variante enthalten die» Mitteilungen des Vereinesfür Geschichte der Deutschen in Böhmen« im Jahrg. XX, S. 21315.Letztere ist vollständiger, auch metrisch regelmäßiger als die obige.Weit ausgebildetere Johannesspiele fand man im Böhmerwalde,welche die Gesellschaft zur Förderung deutscher Wissenschaft,Literatur und Kunst als Beiträge zur deutschböhmischen Volkskundeveröffentlicht hat.¹)

Auch das Johannes- oder Sonnwendfeuer wurde angesungen.Mädchen flochten sich Kränze aus Kornblumen und Rittersporn,schauten durch dieselben dem Feuer zu und sangen:

Johannesfeuerle guckutsch, guckutsch,

In vier Wuch'n hom mer Jakube,

Dou leit dos Korn an der Grube.( Elbtal bei Leitmeritz.)

Das Ansingen bei Namensfesten ist gänzlich außer Gebrauchgekommen. Hie und da am Lande, aber auch in manchen Städtenist es üblich, besonders bei Namen, die häufig anzutreffen sind, daßsich eine Musikgesellschaft einfindet, um ein kurzes Ständchen dar-zubringen. Brautpaare, die einem Gesangvereine angehören, ehrt mandurch Lieder am Vorabende ihres Ehrentages oder auch in derKirche selbst. Gesangständchen bei Abschiedsfesten oder aus anderer

¹) Volksschauspiele aus dein Böhmerwalde" von J. J. Ammann, III. Teil, S. 53-70.