Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde16 (1910) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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16 (1910) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Gebildbrote der Sommer- Sonnenwendzeit.

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g) Im Spreewald findet um Johannes das sogenannte Stollenreitenstatt, wobei der Sieger als Gewinn den dort so beliebten großmächtigenFestkuchen, den sogenannten Stollen, erhält, der wie eine Opfer-gabe mit Blumen und Bändern geschmückt ist. Über den Stollensiehe Weihnachtsgebäcke, Zeitschr. d." Ver. f. österr. Volksk., Bd. XI,Suppl. III, 1905, p. 44. Eine Abbildung des Stollenreitens siehe Garten-laube, 1901, Nr. 28, p. 478. In Steiermark erhält der sogenannte Pfingst-luckenreiter einen Kranz von grünen Brennesseln( s. o.)( Blätter f.hess. Volkskunde, 1906, p. 89). Der Stollen ist hier nur lokales Fest-gebäck überhaupt, ohne zeitlichen Hintergrund; ein Verhältnis, dasöfters an den verschiedensten Orten zu treffen ist.

h) Die mehr im Bayrischen üblichen Nudeln entsprechen denunter erwähnten Kücheln; neunerlei Nudeln sollen dort nachaltem Brauche am Johannestage aufgetischt werden. Als Sonnenwendgabe werden zwei kleine, längliche Fingernudel übers Kreuzgelegt, gebacken und geweiht und dann in Verbindung mit einemsogenannten Antlaßei( s. unter Gründonnerstag in den Ostergebäcken)als Apotropäon gegen Krankheiten dem Vieh in den Barren gelegt( Passau)( Panzer, Beiträge, II, 213, 495). Opfergabe und Abwehrmittelgehen leicht ineinander über.

Die sommerliche Sonnenwende scheint viel jüngeren Datumszu sein als die Wintersonnenwende, die weit mehr den Ernst desDämonenkults ausprägt. Die germanische ältere Dreiteilung desJahres gab keinen Raum für einen vierten Jahresabschnitt- quatuortempora( Quatember) der erst durch den Einfluß römischer Kultursich eingebürgert zu haben scheint. Im allgemeinen herrscht in derSommersonnenwende die heitere, die Freude am Gedeihen undWachsen der Feldfrüchte kennzeichnende Stimmung vor; selbst-verständlich muß sich auch der Seelenkult, wenn auch nur in abge-blaßten Zügen, bemerkbar machen. Die Opfergebräuche sind mehrgegen die Wassergeister gerichtet. Eine Reinigung des Volkes vonKrankheitsdämonen erfolgt hauptsächlich durch Bäder und Feuer;doch haben sich auch hier noch die Spuren eines gemeinsamenSippenmahles erhalten, durch dessen Mitgenuß die heilsame, auchapotropäische Wirkung erhofft wird. Die dabei nachweisbare Ver-bindung der Schmalzgebäcke mit grünen Kräutern entspricht auchanderen Frühjahrsfesten. Es fehlen die Honiggebäcke( Lebkuchen,Lebzelten), der Fladen, der Zelten, das Zopfgebäck, die Brezel, dasKringelgebäck, die männlichen und weiblichen Teigfiguren, die Tier-gebildbrote, kurzum all jene Brotformen, die der Wintersonnen-wende einen der Versöhnung der elbischen Dunkelgeister gewidmetenweit düstereren Zug verleihen.

4) A. Tille( Die Geschichte der Deutschen Weihnacht, 1893); Die germanischeJahreseinteilung war eine völlig andere als die römische und christliche"; sie war nichtnur abhängig in erster Linie von dem Sonnenstande, sondern auch von der Haus- undHofwirtschaft, vom Weidestand( Auswarts") und Schneefall( Überwinterung).