Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde16 (1910) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde

  
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16 (1910) / Zeitschrift für österreichische Volkskunde
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Gebildbrote der Sommer- Sonnenwendzeit.

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aus neun

Vorbilde des bekannten Neunkräutersegens besonders wirksamgedacht werden. Auch die Sonnen wendkränze ¹) sollenKräutern gewunden sein, wenn sie helfen sollen( Meyer, BadischesVolksleben, 227; Heyl, Volkssagen aus Tirol, 758; Bronner, Vondeutscher Sitte und Art, 184).

c) Die bayrischen Äpfelküchel oder elsässischen( Apfel-)Schnitzküchel sind ebenfalls Eigentümlichkeiten des St. Johannes-tages, die aber sehr selten sein dürften, wenn nicht etwa gedörrteÄpfel dazu verwendet werden.

Diese mit verschiedenen( neun), in der Schweiz namentlich mitMangold, das in dieser Zeit in bestem Flor steht( Schweizer Idiotikon,IV, 139), versetzten Blüten- und Kräuterküchel( Krautkuchen)erinnern an die braunschweigische» Neunstärke« des Gründonners-tages( s. Ostergebäcke, S. 340, Zeitschr. f. österr. Volksk., Bd. XII,Suppl. IV, 1906), an den neumärkischen» Osterkohl«<, an den ags.Neunkräutersegen; auch an die Rainfarn(= Rainfahnen-) undTanzkuchen( s. Ostergebäcke, 1. c. p. 40), wie überhaupt Früh-lingsküchel und Sonnenwendküchel fast gleich sind.

Der Mensch, der alles versuchte, was ihm Gesundheit undFruchtbarkeit verschaffen konnte, versuchte es auch zur Zeit deshöchsten Wachstumsstandes der Pflanzenwelt mit dem Zauber dieserwohlriechenden oder wohlschmeckenden Kräuter, die er sich in ver-schiedener Weise einverleibte, unter anderem auch als Beimischungzu den Festspeisen oder Kultgebäcken; die Neunzahl entspricht derPanspermie oder Pankarpie, die die Gesamtkraft aller Fruchtbarkeits-und Stärkemittel in den Opfergaben vereinigen wollte und die durchdie Kultzeit besonders bedeutungsvoll erhöht wurde.

In England glauben die Mädchen, daß ihnen in der Johannes-nacht ihr künftiger Gatte im Traume erscheint, wenn sie einenKuchen, der von zweien stillschweigend nachts zwölf Uhr gebackenworden war, sich unter das Kopfkissen legen( Hazlitt, l. c. I, 197;Scheible, 1. c. VII, 425; Meyer, Badisches Volksleben, 227; Weinhold,Neunzahl, 12). Diese englischen Johanny Cakes werden ausindischem Mehl ohne Hefe auf Zinnplatten vor dem Feuer gebacken( Hazlitt, 1. c. II, 350) und sind wohl als die Rudimente eines Opfersan irgendwelchen Fruchtbarkeitsdämon zu deuten, wie man auchHasenohren( pars pro toto) als Einschläferungsmittel unter das Kopf-kissen legte( 14. Jahrh.). Vergl. des Verfassers Volksmedizin undOrganotherapie, p. 62. Der Anteil an der Opfergabe, vermittelt zumTeil durch das Riechorgan, zum Teil durch das Essen, erzeugt dannden Minnelust- oder Alptraum: hier ist die Bereitung des Gebäckesin der Stille der Mitternacht ein Hinweis auf das magisch wirkende

1) Vergl. die niederd. Bezeichnung für den 24. Juni: Johannstag dat men kronenhangt, als me under de kronen waket"( Grotefend, Taschenbuch der Zeitrechnung).